Standort: science.ORF.at / Meldung: "Österreich geht verschwenderisch mit Böden um"

Ein Traktor, der einen Acker pflügt.

Österreich geht verschwenderisch mit Böden um

2015 haben die Vereinten Nationen zum Jahr des Bodens ausgerufen. Aus diesem Grund wurde auch erstmals ein Bodenatlas erstellt, der weltweit Daten zu Acker, Land und Boden zusammengetragen hat. Österreich geht demzufolge besonders verschwenderisch mit seiner Erde um.

Umwelt 08.01.2015

Das "Land der Berge, Land der Täler" hat eine Fläche von 84.000 Quadratkilometern, und nur 37 Prozent davon gelten als besiedelbar bzw. nutzbar für die Landwirtschaft. Und doch geht man mit diesem raren Platz recht großzügig um: Tagaus, tagein würden 22 Hektar Land verbaut oder mit Straßen zubetoniert, so Helmut Burtscher von Global 2000. Die Umweltschutzorganisation hat an dem Atlas mitgearbeitet, der vom Nachhaltigkeitsinstitut IASS in Potsdam erstellt wurde.

"Die 22 Hektar, die in Österreich jeden Tag verbaut werden, entsprechen 30 Fußballfeldern. Das ist für ein Alpenland wie Österreich, wo Boden ein knappes Gut ist, sicherlich zu viel", so Burtscher gegenüber Ö1.

Schädliche Zersiedelung

Die Folgen dieser Politik sind vielfältig: Einerseits schade die Zersiedelung dem Landschaftsbild und somit dem Wirtschaftsfaktor Tourismus, andererseits mache sich Österreich abhängig von anderen Ländern. Anstatt im eigenen Land Gemüse und Getreide zu produzieren, importieren es westliche Länder aus asiatischen und südamerikanischen Billiglohnländern, wo Menschen Hunger leiden, "weil ihre Früchte des Bodens auf unseren Tischen landen", sagte Burtscher. Positiv sei, dass die Bundespolitik in Österreich seit 2002 versuche, der Zersiedelung Einhalt zu gebieten. Doch das sei schwierig, da es keine einheitliche Regelung gebe, wann wer wo Land von Acker- in Bauland umwidmen darf.

"Das Monitoring - also wie Österreich die Zersiedelung misst - hat sich als schwierig herausgestellt, weil die Bundesländer unterschiedliche Angaben machen und Berechnungsmodelle haben, mit denen sie die verschiedenen Arten von Landnutzung bemessen", so Burtscher. "Das sind alles Komplikationen, die es nicht erleichtern, dass Österreich hier die Trendwende schafft und zu einem nachhaltigen Umgang mit dem Thema Boden kommt."

Gudrun Stindl, Ö1 Wissenschaft/science.ORF.at

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