Standort: science.ORF.at / Meldung: "Das Funknetz der Fledermäuse "

Mausschwanzfledermaus im Flug

Das Funknetz der Fledermäuse

Einige Mausschwanzfledermäuse jagen in Gruppen, um leichter Beute zu finden. Die Tiere erkennen an den Ultraschallsignalen ihrer Artgenossen, wenn diese Insekten aufgespürt haben, und können dann dort ebenfalls auf Jagd gehen. Die Tiere bilden eine Art Feld aus mehreren Sensoren, was die Suche effizienter macht.

Jagdverhalten 09.01.2015

Allerdings funktioniert das nur bis zu einer gewissen Dichte an Fledermäusen: Kommen zu viele Tiere zusammen, wird es schlicht zu laut. Laut den Forschern um Yossi Yovel von der Tel Aviv University können sie dann ihre Beute nicht mehr aufspüren.

Sie beschreiben das von ihnen beobachtete Verhalten als Chips-Sackerl-Effekt. "Wenn man im Dunkeln im Kino sitzt und jemand macht ein Sackerl Rohscheiben auf, weiß jeder im Saal, dass einer davon isst und auch ungefähr, wo", erklärt Yovel. "Fledermäuse arbeiten ähnlich."

Kritische Masse

Die Wissenschaftler hatten einige Fledermäuse der Art Rhinopoma microphyllum mit kleinen GPS-Rekordern ausgestattet, die zusätzlich zur Position der Tiere deren Ultraschall-Signale aufzeichneten. Von der Art einzelner Signale konnten die Wissenschaftler dann auf das Verhalten der Fledermaus schließen, also zum Beispiel ob sie gerade auf einen Artgenossen getroffen war oder einem Beutetier hinterher jagte. Insgesamt zeichneten sie 1.100 Interaktionen zwischen Fledermäusen, die einen Rekorder trugen, und ihren Artgenossen auf.

Die Studie in "Current Biology":

"Bats Aggregate to Improve Prey Search but Might Be Impaired when Their Density Becomes Too High" von Noam Cvikel et al., erschienen am 8. Jänner 2015.

Video: So klingt der jagende Fledermaus-Schwarm:

Video abspielen

Die Auswertung zeigte, dass die Tiere häufig in der Nähe von einem Artgenossen herumflattern. Mindestens 41 Prozent der Zeit befanden sich weitere Tiere in weniger als 150 Meter Umgebung einer Fledermaus. Stieg die Größe einer Jagdgruppe lokal stark an, nahm die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs auf ein Beutetier ab. Die Forscher vermuten, dass einzelne Tiere dann zu sehr auf die Ultraschallsignale ihrer Artgenossen hören müssen und kein Echo mehr von ihren Beutetieren auffangen können.

Bewusster Zusammenschluss

Grundsätzlich aber stellten die Forscher fest, dass sich die Fledermäuse aktiv zusammenfinden. In Playback-Experimenten zogen Rufe von Beute-suchenden und Rufe von Beute-attackierenden Fledermäusen Artgenossen an. Wenn eine Fledermaus ein Beutetier entdeckt hat, bekommen die anderen Fledermäuse in der Umgebung das mit, erläutern die Forscher. Das ist eine sehr sinnvolle Information, weil die Fledermäuse ein Beutetier nur im Umkreis von etwa zehn Metern aufspüren können. Ein Artgenosse, der Jagd auf ein Insekt macht, sei hingegen noch im Umkreis von mehr als 100 Metern gut zu hören. Da die Tiere auch zu Beute-suchenden Artgenossen fliegen, vermuten die Forscher, dass sie sich generell bewusst zur Jagd zusammenschließen.

Rhinopoma microphyllum machen unter anderem Jagd auf bestimmte fliegende Ameisenköniginnen, schreiben die Wissenschaftler weiter. Diese konzentrierten sich meist in Gruppen, die in einem großen Gebiet verteilt und mithin schwer aufzuspüren seien. Das Belauschen erfolgreicher Fledermäuse erhöhe die Chancen, selbst Beute zu finden. Die Forscher simulierten das Verhalten der Fledermäuse in Computermodellen und bestätigten darin ihre Vermutungen.

Die Art Rhinopoma microphyllum gehört zu den Mausschwanzfledermäusen und kommt in Teilen Afrikas und Asiens vor. Die Tiere schlafen in getrenntgeschlechtlichen Kolonien, die aus Hunderten bis Tausenden Individuen bestehen können, und gehen nachts gemeinsam auf Jagd.

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zum Thema: