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Jemand hält einen Mittelhandknochen eines Australopithecus in der Hand

Knochen verraten frühen Werkzeuggebrauch

Urmenschen haben schon früher als bisher angenommen mit Werkzeugen hantiert. Das zeigt der Aufbau von Mittelhandknochen von Australopithecus africanus, einer Art von Urmenschen, die vor zwei bis drei Millionen. Jahren lebten. Der Aufbau ist jenem von Neandertalern und modernen Menschen ähnlicher als dem von Affen.

Anthropologie 23.01.2015

Je nach Belastung verändern sich nämlich die sogenannten Trabekeln, das sind Bälkchen im Knocheninneren, die eine schwammartige Stützstruktur bilden.

Bei Schimpansen, die einen Ast umgreifen und mit der Hand ihr ganzes Körpergewicht tragen, sehe diese Struktur anders aus als bei Neandertalern und modernen Menschen, sagte Dieter Pahr vom Institut für Leichtbau und Strukturbiomechanik der Technischen Universität (TU) Wien. Die Benutzung von Werkzeug würde die Handknochen speziell beanspruchen, weil sie gleichzeitig Kraft und Präzision erfordert - etwa wenn man einen Steinkeil festhält, um scharfe Teile aus einem anderen Stein zu klopfen.

Die Studie:

"Human-like hand use in Australopithecus africanus" von Matthew Skinner und Kollegen ist am 22. 1. 2015 in der Fachzeitschrift "Science" erschienen.

Algorithmen lassen auf Werkzeuggebrauch schließen

Dies lasse sich auch nach Millionen von Jahren noch an den Knochenfossilien feststellen. Mit Computertomographen (CT) könne man dreidimensionale Bilder der inneren Knochenstrukturen anfertigen und daraus berechnen, in welche Richtungen die Knochen hauptsächlich belastet wurden.

Die TU-Forscher lieferten mit Computeralgorithmen für die Auswertung von CT-Aufnahmen von Knochen einen wesentlichen Beitrag zu dem Ergebnis.

Vergleich der Mittelhandknochen des Daumens zwishcen verschiedenen Arten

T.L. Kivell

Vergleich der Mittelhandknochen des Daumens zwischen verschiedenen Arten

Unter der Leitung von Matthew Skinner von der Universität Kent (Großbritannien) hatten die Forscher die Trabekel-Strukturen in Mittelhandknochen von Zwergschimpansen, modernen Menschen, Neandertalern und eben den Australopithecus-Urmenschen verglichen.

"Man sieht, dass Australopithecus africanus auf keinen Fall ein Affe war, auch wenn er noch nicht ganz beim Menschen angelangt war", so Pahr. Die Knochenstruktur lasse jedenfalls darauf schließen, dass Australopithecus africanus bereits Werkzeuge angefertigt und benutzt hat.

Älteste Steinwerkzeuge sind 2,6 Millionen Jahre alt

"Dieses Ergebnis stärkt die vor kurzem aufgekommene Vermutung, dass die Verwendung von Steinwerkzeugen menschheitsgeschichtlich deutlich weiter zurückreicht, als man früher dachte", erklärte der Forscher.

Die ältesten bisher gefundenen Steinwerkzeuge sind rund 2,6 Millionen Jahre alt. In dem Fachartikel schreiben Skinner und Kollegen nun von einer Vorverschiebung des Werkzeuggebrauchs um eine halbe Million Jahre.

Doch manche der feinen Bälkchenstrukturen würden auch darauf hinweisen, dass Australopithecus africanus noch einige Zeit seines Lebens in den Baumkronen verbrachte.

science.ORF.at/APA

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