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Orang-Utan Männchen sitzten auf einem Stamm

Borneo: Klimawandel bedroht Artenvielfalt

Die Insel Borneo gilt als Inbegriff biologischer Vielfalt - noch. Denn durch Klimaerwärmung und das Abholzen von Wäldern, wird der Lebensraum vieler Tierarten in den kommenden Jahrzehnten schwinden, erwarten Forscher. Mit den richtigen Gegenmaßnahmen könne der Prozess aber gebremst werden.

Biologie 22.01.2015

Knapp die Hälfte der Tierarten auf der südostasiatischen Insel Borneo könnte in Zukunft spürbar an Lebensraum verlieren. Grund dafür ist die Klimaerwärmung und das Abholzen von Wäldern. Bis zum Jahr 2080 seien schlimmstenfalls rund 40 Säugetierarten vom Aussterben bedroht, prognostiziert ein Team internationaler Forscher im Fachblatt "Current Biology". Diese Entwicklungen ließen sich mit Hilfe zusätzlicher Schutzgebiete allerdings mildern.

Die Areale müssten nicht besonders groß, aber geschickt gewählt sein, empfehlen die Forscher um Matthew Struebig von der Universität Kent und Andreas Wilting vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin (IZW). Von solchen Schutzgebieten könnten etwa Primatenarten wie der Sumatra-Langur oder Weißstirnlangur profitieren.

Die Studie:

Targeted Conservation to Safeguard a Biodiversity Hotsopt from Climate and Land-Cover Change von Matthew Struebig und Kollegen ist am 23. Jänner 2015 im Fachjournal "Current Biology" erschienen.

Klima- und Abholzungsmodell erstellt

Die Forscher haben ein Modell entwickelt, das nicht nur mögliche Klimaveränderungen der kommenden 65 Jahre vorhersagt. Berechnet werden auch jene Gebiete Borneos, die mit der höchsten Wahrscheinlichkeit abgeholzt werden. Grundlage dafür waren Satellitendaten, auf denen sich veränderte Landnutzung ablesen lässt, wie IZW-Wissenschaftlerin Stephanie Kramer-Schadt sagt.

Am meisten verändern sich der Prognose nach die Tieflandregenwälder: Zwar fänden voraussichtlich viele Säugetiere, darunter bestimmte seltene Primaten, auch in höher gelegenen Gebieten noch passende Bedingungen vor. Andere wie Flachkopfkatzen etwa bevorzugten die gefährdeten Torf- und Sumpfgebiete. Daten zu möglichen geeigneten Lebensräumen von rund 80 Arten flossen entsprechend in die Studie ein.

28.000 Quadratkilometer Reservate nötig

Um möglichst vielen Arten weiterhin Lebensraum zu bieten, seien neue Reservate mit einer Fläche von insgesamt bis zu 28 000 Quadratkilometern nötig, bilanziert das Team. Das entspreche nur vier Prozent des Inselgebietes. Relevant wären höher gelegene Waldgebiete, die für viele Arten infrage kämen. "Das heißt aber nicht, dass Wälder im Flachland nicht weiter geschützt werden müssen", betonte Kramer-Schadt. Zu einem erfolgreichen Artenschutz müsste der Studie zufolge auch die Holzwirtschaft in der Region beitragen.

Die Ergebnisse sollen nach IZW-Angaben auch den Regierungen in Indonesien, Malaysia und Brunei vorgestellt werden, unter denen die Insel aufgeteilt ist. Die Wälder Borneos zählen nach Angaben des WWF zu den am meisten gefährdeten der Welt. Vor allem Ufergebiete gelten als weitgehend abgeholzt.

Orang-Utans haben 60 Prozent Lebensraum verloren

Während über den Schutz von bekannten Tierarten beraten wird, ist die Tierwelt auf Borneo noch lange nicht komplett erforscht: Von einigen Tieren wie dem Flughund Eonycteris major sind erst so wenige Daten bekannt, dass noch nicht fest steht, wie bedroht sie sind.

Drastisch dezimiert sind bereits die Orang-Utans, die nur noch auf Borneo und in einem sehr kleinen Gebiet im Norden Sumatras vorkommen. Nach WWF-Angaben leben diese Menschenaffen vor allem in Sümpfen des Flachlands und Tieflandregenwäldern. Auf Borneo hätten sie durch Holzeinschlag und die Umwandlung von Regenwald in Ackerland und Palmölplantagen in den vergangen 30 Jahren fast 60 Prozent ihres Lebensraumes verloren. Die Rote Liste führt sie als "stark gefährdet".

science.ORF.at/dpa

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