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Flamingo im Wasser

Richtlinien für den Einsatz von Drohnen

Drohnen werden nicht nur für das Militär immer wichtiger, sondern auch für die Wirtschaft. Online-Händler etwa wollen in Zukunft Pakete mit Hilfe der Miniflieger zustellen. Und auch in der Wissenschaft bieten sie viele Möglichkeiten - etwa bei der Beobachtung von Vögeln. Eine neue Studie schlägt nun ethische Richtlinien dafür vor.

Vogelbeobachtung 04.02.2015

Ein Mindestabstand von vier Metern, Start der Drohnen mindestens 100 Meter entfernt von den Tieren und sie niemals direkt über ihren Köpfen kreisen lassen: Das ist das Fazit, das eine Forschergruppe um den Ökologen Davide Grémillet vom französischen Forschungsinstitut CEFE zieht.

Von oben herab geht gar nicht

Drohnen werden immer billiger, die günstigsten Exemplare sind bereits für weniger als 100 Euro erhältlich: Dieser Umstand macht sie auch für die Wissenschaft immer interessanter. Für die Beobachtung von Wildtieren etwa gibt es bisher aber keine Guidelines, schreiben die Forscher in ihrer neuen Studie.

Um dieses Vakuum zu füllen, haben sie drei Vogelgruppen mit Hilfe eines Quadcopters - also eines Minihubschraubers mit vier Rotorblättern und einer eingebauten Kamera - untersucht: Stockenten, Flamingos und Grünschenkel, eine Art aus der Familie der Schnepfenvögel.

Die Studie:

"Approaching birds with drones: first experiments and ethical guidelines" von Elisabeth Vas und Kollegen ist am 4. 2. 2015 in den "Biology Letters" der Royal Society erschienen (sobald online).

Drohne, die bei der Vogelbeobachtung verwendet wurde

Cyleone

Drohne, die bei der Vogelbeobachtung verwendet wurde

Über 200 Mal näherten sie sich den zum Teil in freier Wildbahn, zum Teil in einem Tiergarten lebenden Schwärmen mit dem Fluggerät an. Bei allen drei Vogelarten gab es ähnliche Resultate: Die Farbe der Minihubschrauber, die Frequenz der Flüge und die Fluggeschwindigkeit wirkten sich nicht auf das Verhalten der Tiere aus. Sehr wohl aber der Winkel, mit dem sich die Drohnen den auf Land sitzenden oder im Wasser schwimmenden Vögeln von oben näherten.

Bei einem Winkel zwischen 20 und 60 Grad zeigten die Tiere keine Reaktion. Aber bei 90 Grad - wenn die Minihubschrauber also direkt über ihnen kreisten - wandten sie sich in der Mehrzahl aller Fälle von dem Störenfried aus der Luft ab oder flogen weg.

Mindestens vier Meter Abstand

Erstaunlich sei es, betonen die Forscher, dass auch die als besonders schreckhaft geltenden Flamingos nur die Flucht ergriffen, wenn die Drohnen direkt über ihnen flogen - und das obwohl sie sich ihnen bei allen Winkeln bis auf vier Meter Distanz genähert hatten. "Unsere Resultate zeigen, dass Drohnen in der Vogelkunde für zahlreiche Anwendungsgebiete verwendet werden können, wenn sie vorsichtig geflogen werden: von der Bestandszählung bis zur Beobachtung des Verhaltens."

Umsicht sei aber in jedem Fall geboten, und deshalb stellen die Forscher folgende Richtlinien auf: Der Startpunkt der Minihubschrauber sollte mindestens 100 Meter entfernt von dem ausgewählten Schwarm liegen, die Annäherung niemals vertikal erfolgen und der individuelle Abstand in der Luft je nach Vogelart unterschiedlich sein, mindestens aber vier Meter betragen.

Weitere Forschungen müssten folgen, schreiben Grémillet und seine Kolleginnen, denn nur weil die Vögel äußerlich in den meisten Fällen nicht reagierten, heißt das nicht, dass sie nicht gestresst waren. Und auch andere Arten solle man in Zukunft untersuchen. Raubvögel etwa würden sich ganz anders gegenüber Drohnen verhalten als die untersuchten drei Vogelarten. Wie mehrere Videos im Internet zeigen (z.b. hier), können sie sich auf die vermeintliche Beute stürzen und zum Absturz bringen.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at

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