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Frauentorso, im Vordergrund zwei gestikuliernde Hände auf einem Tisch

Gesten helfen beim Vokabellernen

Wer vorhat, eine Sprache zu lernen, sollte seine Hände zu Hilfe nehmen. Einer Studie zufolge merkt man sich Vokabel am besten und langfristig, wenn man sie mit Gesten begleitet. Vermutlich prägen sich die Wörter auf diese Weise im Gehirn stärker ein, so die Erklärung der Forscher.

Sprache 06.02.2015

Lange Listen von Vokabeln zu lernen, erfordert viel Sitzfleisch und zählt sicher zu den unbeliebtesten schulischen Pflichten. Im Schulunterricht sowie in Sprachkursen versucht man mittlerweile, den Lernenden diese mühsame Tätigkeit etwas zu erleichtern, indem man die neuen Wörter mit Bildern oder Symbolen illustriert. Das hilft, aber geht vermutlich nicht weit genug. Die aktuelle Studie der Forscher um Katja M. Mayer vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig legt nahe, dass zusätzlich noch etwas Bewegung in den Prozess kommen sollte, und zwar wortwörtlich.

Bilder und Gesten

Die Studie in "Current Biology":

"Visual and Motor Cortices Differentially Support the Translation of Foreign Language Words" von K.M. Mayer et al., erschienen am 5. Februar 2015.

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch Wissen aktuell: 6.2., 13:55 Uhr.

Bei der Untersuchung mussten junge Frauen und Männer eine Woche lang abstrakte und konkrete Substantive der eigens für Forschungszwecke erfundenen Kunstsprache Vimmi lernen. So ist sichergestellt, dass die Vokabeln für alle gleich unbekannt sind.

Die Versuchsteilnehmer erhielten unterschiedliche Hilfestellungen. Die einen sahen ein dazu passendes Bild, nachdem sie ein neues Wort gehört hat. In einem Setting sollten sie das Bild danach zusätzlich in der Luft nachzeichnen. Eine weitere Gruppe wurde dazu angehalten, das Wort mit einer Geste auszudrücken. Eine Kontrollgruppe musste die Vokabel im klassischen Sinn - also ohne Anreicherungen - büffeln. Anschließend an die Lernphase überprüften die Forscher anhand von Übersetzungstests mehrmals, ob sich die Studienteilnehmer noch an die Begriffe erinnern konnten. Die letzte Überprüfung erfolgte erst sechs Monate später.

Katja Mayer fasst die Ergebnisse in einer Aussendung zusammen: "Am besten konnten sich die Probanden an einen zu lernenden Begriff erinnern, wenn sie ihn selbst mit Gesten ausdrückten. Hörten sie den Begriff und seine Übersetzung und sahen zusätzlich ein Bild davon, konnten sie sich die Übersetzung ebenfalls besser merken. Das Nachzeichnen eines Begriffes unterschied sich dagegen nicht vom reinen Hören." Das heißt, Bilder sind gut, Gesten sind besser.

Mit allen Sinnen lernen

Zusätzlich hatten die Forscher während der Tests Gehirnaufnahmen gemacht. Auch dort spiegelten sich die verschiedenen am Lernprozess beteiligten Sinne. Bei den Gesten waren auch Bereiche des Bewegungssystems aktiv, bei den Bildern Regionen des Sehsystems. Laut den Wissenschaftlerinnen lernt das Gehirn leichter fremde Worte, wenn es dabei Informationen aus unterschiedlichen Sinnesorganen erhält. Auf diese Weise prägen sich die Begriffe und ihre Bedeutung stärker ein.

Wir sollten also mit allen Sinnen lernen. Auch Schmecken, Riechen und Gefühle sollen den Forschern zufolge eine Rolle spielen. Bedeutet das nun: Je mehr Sinne, desto besser? Laut der Koautorin Katharina von Kriegstein wahrscheinlich ja. Es sei aber unklar, wie stark sich der Lernerfolg durch mehrere Sinne steigern lässt. Idealerweise sollten die einzelnen Sinneseindrücke aber zusammenpassen. "Wer also zum Beispiel das spanische Wort für Apfel lernen will, sollte eine Apfel-Geste machen, einen Apfel schmecken oder ein Apfelbild betrachten", so von Kriegstein. Das Zusammenspiel der Sinne könnte erklären, warum die meisten Menschen eine neue Sprache in ihrer natürlichen Umgebung - wo automatisch alle Sinneseindrücke inkludiert sind - am schnellsten und am besten lernen.

Eva Obermüller, science.ORF.at

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