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Das Gesicht eines müden Mannes.

Zu wenig Schlaf? Mach ein Nickerchen!

Nur zwei Stunden geschlafen in der letzten Nacht? Dann haben französische Forscher einen Tipp: Mit einem Nickerchen von circa einer halben Stunde kann das Schlafdefizit ausgeglichen werden. Denn 30 Minuten reichen laut Studie, damit Immunsystem und Stresslevel wieder im Normalbereich sind.

Kompensation 11.02.2015

Mit einer Schlafpause für übermüdete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnte das Unfallrisiko demnach deutlich verringert werden, schreiben Brice Faraut und seine Kollegen. Und auch das Risiko chronischer Erkrankungen, das bei andauerndem Schlafmangel stark erhöht ist, könnte gesenkt werden.

Massenphänomen Schlafstörung

Die Studie:

"Napping Reverses the Salivary Interleukin-6 and Urinary Norepinephrine Changes Induced by Sleep Restriction" ist am 10. Februar 2015 im "Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism" erschienen.

45 Prozent der Weltbevölkerung leiden an Schlafstörungen, das gab die World Association of Sleep Medicine anlässlich des Weltschlaftags 2014 bekannt. In Österreich gaben im vergangenen Jahr anlässlich einer Umfrage 67 Prozent der Frauen und mehr als die Hälfte der Männer an, ihrer Meinung nach nicht ausreichend zu schlummern. Insgesamt meinten im November 2014 ein Drittel der Männer und Frauen, mehr als zweimal pro Woche zu wenig Schlaf zu bekommen.

Die Folge davon: Viele Menschen fühlen sich dauermüde und ausgelaugt, Fehleranfälligkeit und Unfallrisiko steigen an. Diese Symptome sind keineswegs Einbildung, denn der Körper reagiert nachweisbar auf zu wenig Schlaf. In einem ersten Schritt werden Stresshormone ausgeschüttet, wodurch die Herzfrequenz ansteigt, und das Immunsystem wird aktiviert wie bei einer leichten Infektion. Wird Schlafmangel zum Dauerzustand, kann das zu chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck und Depression führen.

Eine Nacht mit wenig Schlaf

Die französischen Schlafexperten, die in den letzten Jahren mehrere Studien zum Zusammenhang zwischen Schlafdauer und Gesundheit veröffentlicht haben, haben nun überprüft, ob man die körperlichen Symptome mit einem Nickerchen von 30 Minuten beseitigen kann. Dazu luden sie gesunde Männer im Alter zwischen 25 und 32 Jahren in ihr Schlaflabor ein und ließen sie in der ersten Nacht nur zwei Stunden schlafen. Danach nahmen sie den Testpersonen Blut und Speichel ab.

Die Analyse zeigte: Das Hormon Noradrenalin, das auf Stresssituationen reagiert, war um das Zweieinhalbfache angestiegen. Noradrenalin lässt das Herz schneller schlagen und Blutdruck sowie Blutzuckerspiegel ansteigen. Ebenso verändert durch den Schlafmangel war das Ausmaß von Interleukin-6 im Speichel, ein Protein, das Entzündungsreaktionen des Körpers reguliert.

Nickerchen als sinnvolle Strategie

Sowohl die Menge an Noradrenalin als auch jene von Interleukin-6 normalisierte sich wieder, wenn die Versuchspersonen am Tag nach der kurzen Nacht ein Nickerchen im Ausmaß einer halben Stunde machten.

"Kurz zu schlafen könnte eine sinnvolle Strategie sein, um Menschen mit chronischem Schlafmangel vor den negativen Effekten zu schützen", schreiben Brice Farault und seine Kollegen. Sie denken dabei vor allem an Nacht- und Schichtarbeiter, aber auch eine kurze Nacht zwischendurch könnte mit einem Nickerchen ausgeglichen werden.

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