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Darwinfink auf den Galapagosinseln

Wie Darwins Finken zu ihren Schnäbeln kamen

Die auf den Galapagosinseln lebenden Finken sollen einst Charles Darwin zu seiner Theorie der Evolution inspiriert haben. Forscher haben nun erstmals ihr Erbgut sequenziert - und jene Gene gefunden, die für ihre eigentümlichen Schnäbel verantwortlich sind.

Genetik 12.02.2015

"Man könnte sich wirklich vorstellen, dass auf diesem Archipel … nur eine einzige Vogelart für verschiedene Zwecke abgewandelt wurde", notierte der junge Charles Darwin in seinem Tagebuch während seiner Weltreise auf dem Schiff "HMS Beagle".

Die Vögel, von denen in dieser Notiz die Rede ist, wurden mittlerweile nach dem britischen Naturforscher benannt. Sie gelten als Lehrbuchbeispiel für die Variation eines Typus unter verschiedenen ökologischen Bedingungen. In diesem Fall ist es der Schnabel, der - je nach Ernährungsweise - ganz unterschiedliche Formen annimmt und einst Darwins Interesse geweckt hatte.

Hier irrte Darwin

Die Studie

"Evolution of Darwin’s finches and their beaks revealed by genome sequencing", Scientific Reports (doi:10.1038/srep08409; 12.2.2015).

Rund 180 Jahre später liegt nun endlich die Erbgutsequenz der 15 Arten auf den Galapagosinseln vor. Forscher um Leif Andersson von der Universität Uppsala bestätigen in ihrer Studie weitgehend die taxonomische Ordnung der Zoologen, einzig die Art Geospiza difficilis tanzt aus der Reihe: Bei ihr handelt es sich, wie Andersson im Fachblatt "Scientific Reports" schreibt, eigentlich um deren drei.

Die Forscher haben in ihrer Studie auch jene Gene ausfindig gemacht, die für die typische Schnabelform der Darwin-Finken verantwortlich sind. Eines davon heißt ALX1 - das Gen wurde in früheren Studien auch bei Fischen und Säugetieren nachgewiesen, und zwar mit ähnlicher Funktion: Der Erbfaktor steuert die Entwicklung des Gesichts, das ist auch bei uns Menschen so.

Die von Andersson und Kollegen zusammengetragenen Gendaten beinhalten auch eine kleine historische Pointe. In Darwins "Ursprung der Arten" gibt es nur eine einzige Abbildung, sie zeigt einen Stammbaum, dessen Äste sich mehrfach verzweigen. Ironischerweise halten sich gerade die Darwinfinken nicht an dieses Modell: Die verschiedenen Arten pflegen intensiven Genaustausch und hybridisieren untereinander. In Kenntnis dieser Daten, sagt Coautor Peter Grant, "würde Darwin wohl seine Abbildung gerne neu zeichnen. Mit Verbindungen zwischen den Ästen, um die Hybridisierung der Arten darzustellen."

Robert Czepel, science.ORF.at

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