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Zwei Fingern halten grüne Tablette

Hormonersatztherapie erhöht Krebsrisiko

Um die Beschwerden der Wechseljahre bei Frauen zu mildern, werden oft Hormone verabreicht. Seit längerem aber weiß man, dass diese Hormonersatztherapie das Risiko erhöht, an Brustkrebs zu erkranken. Eine gerade erschienene britische Studie zeigt, dass bei einer Therapie auch Eierstockkrebs häufiger vorkommt.

Medizin 14.02.2015

Risiko und Nutzen abwiegen

Die Studie in "The Lancet":

"Menopausal hormone use and ovarian cancer risk: individual participant meta-analysis of 52 epidemiological studies"

Ö1 Sendungshinweis:

Darüber berichtet auch die Journale am 14. Februar 2015.

Nicht alle Frauen leiden gleich unter den Wechseljahren. Nur ungefähr ein Drittel der Betroffenen leidet so stark an Schlafstörungen, Erschöpfungszuständen oder Depressionen, dass für sie der Nutzen einer Hormonersatztherapie (HET) die möglichen Risiken aufwiegt. Vor rund 15 Jahren wurde bekannt, dass die HET anscheinend das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, deutlich erhöht.

Seither wird die Therapie nur noch etwa halb so oft wie davor verschrieben und möglichst auch kürzer eingesetzt. Wichtig sei immer, den Nutzen und das Risiko für jeden Einzelfall abzuwägen, sagt Edgar Petru, Professor für Gynäkologie in Graz und Vorstandsmitglied der Frauenkrebshilfe Österreich.

Ovarialkarzinom wichtiger Faktor

Eine neue Studie aus Oxford von der Gruppe um Statistiker Richard Peto in Oxford zeigt jetzt, dass auch das Ovarialkarzinom - also Eierstockkrebs - ein mögliches Risiko darstellt. Schon bisher vermutete man einen Zusammenhang von HET und Eierstockkrebs. Laut der Metaanalyse von 52 früheren Studien steigt das Risiko, dadurch ein Ovarialkarzinom zu entwickeln, stärker an als bisher angenommen. Insgesamt wurden Daten von 12.110 postmenopausalen Frauen untersucht, die an einem Ovarialkarzinom erkrankt sind. 55 Prozent davon hatten zuvor Hormonersatzpräparate erhalten. Und je länger die HET vorbei war, desto niedriger wurde das Risiko wieder.

Die Studie zeige zwar methodische Unschärfen - zum Beispiel gehe die Studie nicht genau auf die Zusammensetzung der Hormontherapien ein, aber man müsse die Aussage der Studie sehr ernst nehmen, meint Gynäkologe Edgar Petru. Denn ob das Risiko ein Ovarialkarzinom zu entwickeln sich tatsächlich um 40 Prozent erhöhe - wie in der Studie angegeben - oder vielleicht nur um 20 Prozent, sei für die Bewertung nicht relevant.

Eierstockkrebs ist zwar seltener als Brustkrebs, aber auch wesentlich schwieriger zu therapieren. Es ist zudem ein besonders schnell wachsender Krebs, den man nur selten im Frühstadium bemerkt.

Neubewertung für jede Patientin

Die Studiendaten haben Gewicht, so Facharzt Edgar Petru: "Diese Daten sollten dazu führen, dass man noch mehr nachdenkt, ob diese Therapie unbedingt notwendig ist, ob man vielleicht die Dosierung noch einmal reduzieren und die Dauer der Anwendung noch einmal verkürzen kann."

Aber es bestünde kein Grund zur Panik: Schon jetzt setzen Fachärzte die Hormonersatztherapie nicht wahllos ein, denn das Krebsrisiko wird sehr ernst genommen. Die Therapie sei in manchen Fällen auch nach wie vor sinnvoll, sagt Gynäkologe Petru. Man müsse aber bei der Entscheidung nun auch die neuen Studiendaten bedenken.

Er rät besorgten Patientinnen, sich durchaus früher als geplant einen Termin bei einem Gynäkologe oder einer Gynäkologin geben zu lassen. Gemeinsam könne man dann die persönliche Situation besprechen, Risikofaktoren abklären und eine Entscheidung über den Einsatz der Hormonersatztherapie treffen.

Isabella Ferenci, Ö1 Wissenschaft

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