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Der Komet ISON

Starben Dinos wegen Dunkler Materie aus?

Ein amerikanischer Geologe wartet mit einer spektakulären Hypothese auf. Die Bewegungen der Erde in der Milchstraße könnten ihm zufolge Massensterben ausgelöst haben. Mitverantwortlich dafür: die Dunkle Materie.

Erdgeschichte 20.02.2015

Michael Rampino von der New York University ist nicht der erste, der in den geologischen Daten Muster erkennt. Schon anderen war aufgefallen, dass Massensterben in der Naturgeschichte - wie jenes am Ende der Kreidezeit, als das Zeitalter der Dinosaurier endete - in gewissen Perioden aufgetreten sind.

Das legt zumindest der Fossilbestand nahe: Alle 26 bis 30 Millionen Jahren verschwanden demnach besonders viele Arten von der Bildfläche. Und nachdem auch die Verteilung von Kratern in der Erdkruste eine ähnliche Periode aufweist, war es nicht weit zu der Vermutung, dass regelmäßige Schauer von Asteroiden oder anderen Himmelskörpern dafür verantwortlich sein könnten.

Kometenschauer und Vulkanausbrüche

Die Studie

"Disc dark matter in the Galaxy and potential cycles of extraterrestrial impacts, mass extinctions and geological events", Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, (18.2..2015; doi: 10.1093/mnras/stu2708).

Rampino gibt der Sache nun einen neuen Dreh. Er behauptet, dass die Dunkle Materie in unserer Galaxis die eigentliche Triebkraft hinter diesem Muster ist. Laut Berechnungen von Astronomen braucht die Erde 225 bis 250 Millionen Jahre für ein "galaktisches Jahr", also eine komplette Runde um das Zentrum der Milchstraße. Und sie vollzieht diese Wanderung offenbar nicht geradlinig, sondern in Wellenbewegungen.

Bei diesem Auf und Ab, schreibt Rampino in den "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society", passiert unser Sonnensystem auch immer wieder eine Scheibe Dunkler Materie, die vermittels ihrer Masse für kosmische Gezeitenkräfte sorgt und Kometen aus der Oort'schen Wolke in Richtung Erde ablenkt.

Rampino hat noch eine zweite Hypothese im Köcher: Ihm zufolge könnte die Dunkle Materie auch mit dem Erdkern in Wechselwirkung treten, dort durch Annihilation - also die gegenseitige Vernichtung von Teilchen - einen Wärmestau auslösen und die Wahrscheinlichkeit für Vulkanausbrüche erhöhen. Auch letztere scheinen nach geologischen Daten mit einer Periode gehäuft aufzutreten, die von 30 Millionen Jahren zumindest nicht weit entfernt ist.

"Zu spekulativ"

So gesehen würde alles ausgezeichnet zusammenpassen, wenn da nicht ein kleiner Schönheitsfehler wäre. Die Dunkle Materie nämlich, von der Rampino spricht, wurde noch nicht einmal nachgewiesen. Zwar nehmen die meisten Astronomen an, dass es sie geben muss, weil ansonsten die Bewegungen der Galaxien nicht zu Keplers Gesetzen passen würden. Doch woraus diese unsichtbare Materie besteht, ist nach wie vor völlig unklar. Rampinos Vermutung baut so gesehen ihrerseits auf bereits unsicherem Grund.

So resümiert der US-Geologe denn auch im Konjunktiv. "Die Geschichte der Erde wurde von großen Massensterben durchbrochen, manche davon können wir nur schwer erklären. Es könnte die Dunkle Materie gewesen sein - doch die Antwort ist nach wie vor unklar."

In der Physikergemeinde hält sich die Zustimmung in Grenzen. Thomas Posch vom Wiener Institut für Astronomie ist von dem "Ansatz nicht sehr begeistert". Die Hypothese sei zwar interessant, "aber für meinen Geschmack zu spekulativ".

Robert Czepel, science.ORF.at

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