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Hochhaus ragt aus Dunstglocke hervor

Dicke Luft in Europas Städten

Eine aktuelle Studie zeigt, welche europäischen Städte 2030 die höchste Feinstaubbelastung zu erwarten haben. Resümee: Feinstaub wird in Osteuropa und Norditalien ein Problem bleiben - obwohl es Technologien zur Lösung der Misere gäbe.

Prognose 23.02.2015

80 Prozent der Menschen in Europa atmen heutzutage Luft, die immer wieder über den empfohlenen Werten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt, also so viel Feinstaub enthält, dass Herz- oder Atemwegserkrankungen drohen, besagt die Studie des Internationalen Instituts für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg.

"Eine Verbesserung der Lage ist in Sicht", sagte Studienautor und Physiker Gregor Kiesewetter im Gespräch mit science.ORF.at - und zwar sowohl bei den Teilchen der Größe PM 10 (kleiner als zehn Mikrometer) als auch bei den besonders kleinen Partikeln der Kategorie PM 2,5.

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Die Studie "Modelling street level PM10 concentrations across Europe: source apportionment and possible futures" ist im Fachblatt "Atmospheric Chemistry and Physics" erschienen (doi: 10.5194/acp-15-1539-2015).

Aussendung zur Studie "Clearing up Europe’s air pollution hotspots"

WHO-Themenschwerpunkt zur Luftverschmutzung

Sendungshinweis:

Über dieses Thema berichteten auch Ö3 und das Ö1-Mittagsjournal.

Belastet: Warschau, Paris, Mailand

Damit sich die langfristige Besserung der Luftgüte bewahrheitet, müssen die derzeitigen Gesetze und Maßnahmen eingehalten und umgesetzt werden. Doch reichen diese nicht aus, um bis zum Jahr 2030 die Feinstaubbelastung in allen Städten Europas unter die Grenzwerte zu bringen. "Große Problemzonen haben wir noch in Osteuropa wie etwa in Südpolen, zudem in Norditalien", so Kiesewetter. Die "schmutzigsten" Städte Europas werden in 15 Jahren Warschau, Paris und Mailand sein; weniger "dick" werde die Luft in Wien sein, sagt die Berechnung voraus.

Die Studie rät der Politik zu Reformen: zum Beispiel Auto- und LKW-Abgase strenger kontrollieren; bessere Filter für Kraftwerke; beim Heizen in Haushalten würden beispielweise Pellets weniger Feinstaub verursachen als Holz oder Kohle; in Landwirtschaft und Tiermast sei Gülle derzeit für Vorstufen von Feinstaub verantwortlich: "Es geht im Prinzip um die Gülleaufbewahrung und die Gülleausbringung: Wenn das besser abgedeckt ist, hat man weniger Ammoniakemissionen."

"Politischer Wille fehlt"

Es gebe schon heute genügend Methoden und Technologien, um Feinstaub in Grenzen zu halten, so das Resümee: Nur spieße es sich zum einen an den Kosten, zum anderen mangle es am politischen Willen, so der IIASA-Forscher im Gespräch mit science.ORF.at. Abgesehen von Maßnahmen plädierte Kiesewetter auf Nachfrage auch für strengere Grenzwerte - vor allem hinsichtlich der besonders feinen Partikel PM 2,5.

Die WHO empfiehlt Europa seit Langem niedrigere Grenzwerte - denn auch wenn die derzeit in der EU gültigen eingehalten würden, könne die Gesundheit dennoch beeinträchtigt werden. Das hat vor einigen Monaten eine Studie im medizinischen Fachblatt "The Lancet" gezeigt.

Barbara Daser, Ö1-Wissenschaft

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