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Pesterreger unter dem Mikroskop

Asiens Klima steuerte Pestausbrüche in Europa

Die Pest hat zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert mehrmals aus Asien kommend Europa heimgesucht - nicht nur einmal, wie bisher angenommen. Klimaschwankungen in Asien waren der treibende Faktor für die Verschleppung des Erregers, wie eine Baumringstudie nun zeigt.

Seuche 24.02.2015

Der Schwarze Tod kam im Jahr 1347 aus Asien in europäischen Hafenstädten an und dezimierte die hiesige Bevölkerung in wenigen Jahren um 40 bis 60 Prozent. Diese sogenannte zweite Pestpandemie - die erste fand zwischen 541 und 700 nach Christus statt - dauerte bis Anfang des 19. Jahrhunderts, als der Pesterreger aus Europa verschwand.

Die Studie in den "Proceedings of the National Academy of Sciences":

"Climate-driven introductions of the Black Death and successive plague epidemics into Europe" von Boris V. Schmid et al., erschienen am 23. Februar 2015.

Eine Stammscheibe von einem über 1000 Jahre alten Wacholderbaum aus dem Tien Shan in Kyrgyzstan

Jan Esper (University of Mainz, Germany)

Eine Stammscheibe von einem über 1000 Jahre alten Wacholderbaum aus dem Tien Shan in Kyrgyzstan.

Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass der Erreger (Yersinia pestis) während dieser langen Zeit in natürlichen Langzeit-Reservoirs überlebte, also in Beständen einheimischer Nagetiere. Dies sei jedoch unwahrscheinlich, berichten nun Ulf Büntgen und Christian Ginzler von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) sowie Kollegen der Universität Oslo.

Mehrmals eingeschleppt

Sie haben ein digitales Inventar von insgesamt 7.711 Pestausbrüchen mit 15 Baumring-Datenbanken aus Asien und Europa verglichen. Anhand der Baumringe lässt sich das Klima für jedes einzelne Jahr rekonstruieren. Dabei zeigte sich, dass der Pesterreger zwischen 1346 und 1837 mindestens 16 Mal mit großer Wahrscheinlichkeit erneut aus Asien eingeschleppt wurde.

Karte der Pestausbrüche, die sich zwischen 1347 und 1900 in Europa ereigneten

Christian Ginzler (WSL)

Karte der Pestausbrüche, die sich zwischen 1347 und 1900 in Europa ereigneten

Diese Ereignisse traten jeweils nach extrem niederschlagsreichen Jahren in Zentralasien auf, dem natürlichen Lebensraum des wichtigsten Pestwirtes, der Wüstenrennmaus (Rhombomys opimus). Der Erreger konnte sich über die eurasischen Handelswege wie die Seidenstraße ausbreiten und traf mit einer Verzögerung von zehn bis 15 Jahren in Europa ein.

400 Kilometer pro Jahr

Die Forscher vermuten somit folgendes Szenario: Ein widriges Klima förderte Pestausbrüche in den asiatischen Nagetier-Beständen. Der Kollaps der infizierten Populationen zwang die Flöhe, die den Pesterreger trugen, neue Wirte zu finden - zum Beispiel die Kamele oder Menschen der Karawanen. Mit einer Geschwindigkeit von rund 400 Kilometern pro Jahr wanderte die Pest so Richtung Europa.

Die Forscher konnten hingegen keine Hinweise finden, die auf ein klimaabhängiges Pest-Reservoir in Europa hindeuten. Dies würde nach Ansicht der Forscher auch erklären, warum nach Anfang des 19. Jahrhunderts keine Pestherde mehr in europäischen Wildtieren existierten.

Ob ihr Szenario wirklich plausibel sei, müssten DNA-Analysen historischer Pestopfer zeigen, schreiben die Forscher. Diese müssten im Idealfall sowohl aus unterschiedlichen Zeitepochen als auch aus mehreren Regionen in Eurasien stammen.

science.ORF.at/APA/sda

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