Standort: science.ORF.at / Meldung: "Unsere Böden: Unterschätzter Schatz"

ausgetrocknete Erde vor Bäumen unter blauem Himmel

Unsere Böden: Unterschätzter Schatz

2015 haben die Vereinten Nationen als "Internationales Jahr der Böden" ausgerufen. Böden sind ein unterschätzter Hort für unterschiedliche Lebens- und Forschungsbereiche: "In einer Handvoll Boden leben mehr Mikroorganismen als Menschen auf unserem Planeten", meint Sigbert Huber vom Umweltbundesamt im Gespräch mit science.ORF.at.

Internationales Jahr der Böden 26.02.2015

28 Fußballfelder pro Tag versiegelt

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Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen Aktuell am 26.2. um 13:55.

In Österreich werden pro Tag hochgerechnet 28 Fußballfelder an Boden versiegelt - sie verschwinden zum Beispiel unter Straßen oder Gebäuden. Böden könnten mitunter besser genutzt werden, so Sigbert Huber, also z.B. könnte man sie beackern anstatt einen Parkplatz zu bauen: "Böden im Flachland und solche, die nahe am Wasser sind, wären gut geeignet für Landwirtschaft, da sie fruchtbar sind. Die Bodenfunktionen werden oft nicht betrachtet und Boden einfach umgewidmet oder verbaut, weil es andere wirtschaftliche Interessen gibt. Beispielsweise liegen die besten Böden Österreichs unter dem Flughafen Schwechat; ein anderes Beispiel sind Einkaufszentren in der Nähe von Städten [Anm.: denn Städte seien ja ursprünglich in der Nähe von besonders fruchtbarem Boden gegründet worden]."

Klimawandel wirkt auf Böden

Zum zweiten könnten Böden besser genutzt (aber nicht ausgenutzt) werden, wenn man den künftigen Klimawandel bedenkt - wie sich Temperatur und Niederschlag verändern könnten und/ oder infolge dessen Schädlinge. So könnte etwa die fruchtbare Humusschicht in Zukunft durch den Klimawandel in manchen Regionen weniger werden - das hätte natürlich Folgen für die Landwirtschaft. Daher erarbeitet das Umweltbundesamt gerade gemeinsam mit anderen Stellen einen entsprechenden "Rechner" (vorerst nur am Beispiel der Regionen Mühlviertel und Marchfeld). Das Projekt wird im April vorgestellt, doch Sigbert Huber gibt schon einen kurzen Einblick:

"Dahinter liegt ein Klimamodell bis zum Jahr 2100 und Ansätze an Fruchtarten und Erträgen. Der Landwirt kann eingeben, was er derzeit anbaut und in welcher Folge. In bestimmten Zeitabschnitten von 20, 30 Jahren kann man berechnen, wie sich das in Zukunft ändern wird, wie sich die Humusbildungsbedingungen wandeln wird, wenn man etwas in der Bewirtschaftung ändert - also beispielsweise Restprodukte auf dem Feld liegen lässt oder ab und zu begrünt statt Feldfrüchte anzubauen."

Unerkannter Boden-Schatz

Auf Bodenschätze angesprochen hebt Sigbert Huber den Boden selbst als Schatz hervor: Einerseits zum Beispiel als Archiv der Geschichte und der Kulturgeschichte - man denke an die Venus von Willendorf, die in der Wachau aus den Bodenschichten zutage gebracht worden ist. Zum anderen habe jeder Gartenbesitzer einen wahren Schatz zu heben: Kompost aus Gartenabfällen oder Biomüll werde zu fruchtbarem Humus.

Vor kurzem hat - auf den ersten Blick unerwartet - die Arzneimittelforschung gezeigt, welch‘ Schatz im Boden liegen könnte: Auf der Suche nach Alternativen zu gängigen Antibiotika sind US-Forscher um Kim Lewis von der Northeastern University im Erdboden fündig geworden: Mit einer neuen Methode haben sie 25 Wirkstoffe entdeckt, von denen einer sehr vielversprechend ist. Sigbert Huber vom Umweltbundesamt dazu: "Die Methode, Bodenbakterien zu extrahieren, ist neuartig. Das Bakterium Elefhtheria terrae - im Namen also die Anspielung auf den Boden - produziert das Antibiotikum Teixobactin und davon erhofft man sich viel für die Medizin."

Österreich als Boden-Dach

Österreichs Bodenforschung ist übrigens in ein internationales Netzwerk eingebunden: in die Internationale Boden-Union IUSS (International Union of Soil Sciences). Nach 90 Jahren Bestehen fasst diese Union nun Fuß - und zwar auf österreichischem Boden: Ab sofort ist der dauerhafte Sitz der Internationalen Union der Bodenwissenschaften in Wien.

Das Netzwerk "b5" in Österreich übernimmt das Management des IUSS-Sekretariats. "b5" gehören 5 Einrichtungen an: Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES; Bundesamt für Wasserwirtschaft; Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum Wald, Naturgefahren und Landschaft; Universität für Bodenkultur Wien und Umweltbundesamt.
Die IUSS umfasst bodenkundliche Gesellschaften verschiedener Staaten und hat mehr als 20.000 Mitglieder (Forschende aus 70 Staaten).

Babara Daser, Ö1 Wissenschaft

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