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Flaschen mit färbigem Öl und Wasser

Machen Emulgatoren dick und krank?

Emulgatoren - jene Stoffe, die nicht mischbare Flüssigkeiten binden und sich in zahlreichen Lebensmitteln finden - führen in Tierversuchen zu Gewichtszunahme und Darmentzündungen. Nun will man herausfinden, ob das auch bei Menschen der Fall sein könnte.

Ernährung 26.02.2015

Sie finden sich in Eiscreme, Süßigkeiten und vielen anderen Lebensmitteln: Emulgatoren. Diese sorgen für eine cremige Konsistenz und dienen als Bindemittel. Eine Studie, die in Nature veröffentlicht wurde, zeigt nun, dass die Emulgatoren Polysorbat 80 (E433) und Carboxymethylcellulose (E466) bei Mäusen zu mehreren gesundheitlichen Problemen führen kann.

Die Studie:

"Dietary emulsifiers impact the mouse gut microbiota promoting colitis and metabolic syndrome", Chassaing und Kollegen,
erschienen in "Nature", am 25. 2. 2015

Die Studienautoren vermuten, dass der verbreitete Einsatz der Emulgatoren mit Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit, Diabetes und chronischen Darmerkrankungen in Verbindungen stehen könnte.

Gewichtszunahme, Entzündungen, erhöhte Fettwerte

Für die Studie wurde an drei verschiedenen Mäusetypen getestet. Eine Gruppe hatte eine "eingepflanzte" genetische Prädisposition für Darmerkrankungen. Die zweite Gruppe von Mäusen war "keimfrei" - sie hatten keinerlei Darmbakterien. Die dritte Gruppe bestand aus unveränderten, "wilden" Mäusen. Die drei Gruppen reagierten unterschiedlich auf das mit Emulgatoren versetzte Wasser, das sie über zwölf Wochen zu sich nahmen.

Bei den anfälligen, veränderten Mäusen erhöhte sich das Risiko, an einer Darmentzündung zu erkranken von 40 auf 80 Prozent. Keimfreie Mäuse reagierten erst auf die Emulgatoren, nachdem ihnen die Darmflora von Mäusen eingesetzt wurde, die die Substanzen eingenommen hatten. Hier zeigten sich schließlich ähnliche Symptome.

Die wilden Mäuse entwickelten nur sehr leichte Entzündungserscheinungen im Verdauungstrakt. Jedoch erhöhte sich ihr Körperfettanteil und sie nahmen an Gewicht zu.

Immunsystem durch Emulgatoren in Gefahr?

Uneins ist man sich noch darüber, wie die Emulgatoren zu diesen Stoffwechselstörungen beitragen, jedoch zeigten sich im Experiment einige Hinweise. So änderte die Bakterienzusammensetzung der Darmflora der Mäuse deutlich: Die Anzahl von "guten" Bakterien sank, während sich die Anzahl von schleimdurchdringenden und entzündungsfördernden Bakterien erhöhte.

Des Weiteren wurde beobachtet, dass die schützende Schleimbarriere zwischen den Bakterien der Darmflora und den Epithelzellen der Darmwand empfindlich dünner wurde. Diese Veränderung beeinflusst in der Regel das Immunsystem negativ und ist ein charakteristisches Merkmal von Chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen.

Forscher gegen leichtfertige Zulassung

Obwohl die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus noch nicht näher untersucht sind, plädieren die Autoren der Studie dafür, dass Lebensmittelzusatzstoffe nicht leichtfertig zugelassen werden dürfen, wenn über ihre Langzeitwirkung nichts bekannt ist.

Die Autoren betonen zwar, dass man Emulgatoren nicht unter Generalverdacht stellen soll. Tatsache ist jedoch, dass sich die Essensgewohnheiten und die Zusammensetzung von industriell verarbeiteten Lebensmitteln in den letzten Jahrzehnten stark verändert haben. Im selben Zeitraum stieg auch die Anzahl von entzündlichen Darmerkrankungen erheblich.

Ob hier ein Zusammenhang besteht, wollen die Forscher nun herausfinden. Man bereite eine Studie vor, in der man die Mikrobiome von zwei menschlichen Testgruppen vergleichen will: Eine Gruppe soll über mehrere Wochen keinerlei Emulgatoren zu sich nehmen, während die andere sich typisch "westlich" ernährt.

science.ORF.at

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