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Ein Weizenfeld in der Abendsonne

Weizen: Zuerst erworben, später angebaut

Die Ureinwohner Großbritanniens haben Weizen über Handel erworben, lange bevor sie ihn selbst angebaut haben. Diese Schluss ziehen Forscher aus 8.000 Jahre alten Siedlungsspuren. In einem Bodenabschnitt vor der Isle of Wight an der englischen Südküste fanden sie Erbgut von Weizen, aber keinen Pollen des Getreides.

Frühgeschichte 27.02.2015

Früher Handel

Die Studie in "Science":

"Sedimentary DNA from a submerged site reveals wheat in the British Isles 8000 years ago" von O. Smith et al., erschienen am 27. Februar 2015.

Paläontologen gehen nach heutigen Kenntnissen davon aus, dass sich Weizen ausgehend vom Nahen Osten, wo er schon vor ca. 10.000 Jahren angebaut wurde, langsam ganz Europa erobert hat. Auf der britischen Insel ist er demnach erstmals vor etwa 6.000 Jahren angepflanzt worden; zum Vergleich: in unseren Breiten ist er vermutlich schon 1.500 Jahre früher angekommen.

Dennoch fanden sich deutliche Spuren von Weizen-DNA in einem Bodensegment, das vor etwa 8.000 Jahren vom Meer überflutet wurde. In einem Begleitkommentar, beschreibt Greger Larson von der University of Oxford, warum dieser Boden in Bouldnor Cliff so gut erhalten geblieben ist: "Das Torfmoor über dem alten Erdboden hat die Bodenschichten effektiv begrenzt und verhindert, dass sich Meeressedimente nach unten auslaugen konnten, selbst als der Meeresspiegel anstieg."

Im ausgewerteten Bohrkern fanden die Forscher um Robin Allaby von der University of Warwick in Coventry DNA-Spuren von Gräsern, Kräutern und Bäumen, darunter Eichen, Pappeln, Erlen und Apfelbäume. Enthalten war jedoch auch Erbgut, das auf die Überreste menschlicher Siedlungen hinweist: DNA von Nussschalen, Hunden und Rindern. In den jüngeren Erdschichten des Bohrkerns entdeckten Allaby und Kollegen eine große Menge Erbgut von Weizen. Durch eine genaue Untersuchung schlossen die Wissenschaftler aus, dass es sich um einheimische Gräser handelt, die mit dem Weizen verwandt sind. Die Pollenanalyse erbrachte Pollenfunde von zahlreichen Blütenpflanzen, aber nicht von Weizen.

Kontakt der Kulturen

"In Abwesenheit direkter Beweise vermuten wir deshalb, dass dieser Weizen Nahrungsmittel repräsentiert, die eher vom europäischen Festland importiert als an Ort und Stelle angebaut wurden", schreiben Allaby und sein Team. Dem Handel habe damals nicht der Ärmelkanal im Weg gestanden, betonen die Forscher. Vor 8.000 Jahren habe es sowohl zum heutigen Frankreich als auch zu den heutigen Niederlanden hin Landbrücken gegeben. Die Forscher stützen sich dabei auf frühere Untersuchungen auf der Basis von Sedimentanalysen.

Allaby und Kollegen sehen ihre Befunde als Hinweis darauf, dass die Jäger und Sammler auf der britischen Insel intensive Kontakte zu Völkern hatten, die bereits Landwirtschaft und Handel betrieben. "Wenn weitere Analysen dieser Art an geeigneten archäologischen Stätten erfolgen, können wir damit beginnen, die Prozesse für die Verbreitung von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten durch Menschen wie Anderes neu zu beurteilen", schreibt "Science"-Kommentator Larsen.

science.ORF.at/APA/dpa

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