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Eine Frau sitzt unter dem Blätterdach eines Baumes.

Europa schont seine Umwelt nicht

Bessere Luft- und Wasserqualität, aber auch bedrohte Arten, Verlust an Böden und weiter steigender Energieverbrauch: Das zeigt ein europaweiter Umweltbericht, der die Tendenzen der vergangenen Jahre untersucht hat. Österreich ist demnach in einigen Bereichen "Vorzugsschüler" - etwa bei Biolandbau und Abfallrecycling.

Ökologie 03.03.2015

So beträgt die Recyclingquote hierzulande rund 60 Prozent. Aber auch bei der Produktion von Abfall gehören die Österreicher zu den Spitzenreitern, mit über 550 Kilogramm pro Einwohner und Jahr (2012). Bei der ökologischen Landwirtschaft liegt Österreich mit einem Anteil von 18,6 Prozent an der Gesamtproduktion europaweit auf Platz eins. Schweden, Estland und die Tschechische Republik haben hier zuletzt stark aufgeholt, heißt es in dem jüngst vorgestellten "European State and Outlook Report" ("SOER").

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Ö1-Sendungshinweis:

Dem Thema widmete sich auch ein Beitrag in "Wissen aktuell" am 2. März.

Die heimischen Probleme lägen anderswo - etwa im verschwenderischen Umgang mit Böden, sagte Georg Rebernig, Geschäftsführer des Umweltbundesamtes, gegenüber Ö1. "Was den Biolandbau betrifft, ist Österreich tatsächlich im europäischen Vergleich an der Spitze. Das hat aber nur indirekt mit der Frage des Flächenmanagements und Flächenverbrauchs zu tun. Für Österreich stellt es nach wie vor eine große Herausforderung dar, seinen Flächenverbrauch zu reduzieren. Wir verbrauchen über 20 Hektar an Boden am Tag, und der Verbrauch sollte eigentlich nur bei zwei Hektar liegen."

Bei Artenschutz im europäischen Trend

Kurzfristig positiv, auf lange Sicht aber kritisch - so stellt sich, kurz gesagt, Europas Umwelt dar. Wasser und Luft sind sauberer, Abfälle auf Deponien weniger geworden. Dennoch gibt es auch negative Trends. So sind 60 Prozent der geschützten Arten laut dem Bericht bedroht. Österreich liege hier im europäischen Trend, sagte Rebernig. "Wir haben einerseits, was die Ausweisung von Schutzgebieten betrifft, ein ganz gutes Niveau, also einen hohen Anteil an geschützten Flächen. Trotzdem ist der Zustand unterschiedlicher Arten, aber auch der Lebensräume dieser Arten nicht befriedigend."

Auch die EU-Bilanz zu Binnengewässern, also Seen und Flüssen, ist kritisch. Rund die Hälfte davon wird laut dem Bericht 2015 in keinem guten ökologischen Zustand sein. Österreich weist zwar zu Recht immer wieder auf die Sauberkeit seiner Seen und Flüsse hin, uneingeschränkt positiv fällt das Zeugnis aber dennoch nicht aus: "Denken Sie nur an verbaute Fließstrecken von Flüssen - das Wasser ist sauber, aber Leben, wie man es sich vorstellt, kann sich in diesen geradlinigen Kanälen nicht so gut entwickeln, wie wenn das Wasser frei fließen könnte", so Rebernig.

"European State and Outlook Report":

Der "SOER" stellt den umfangreichsten und bedeutendsten EU-Sachstandsbericht über Zustand und Ausblick der europäischen Umwelt dar. Er gilt als Entscheidungsgrundlage zur Festlegung zukünftiger europäischer Umweltpolitik und erscheint alle fünf Jahre.

Weit von Zielen entfernt

Generell sei Europa noch immer weit von dem von der Europäischen Union festgelegten Ziel, bis 2050 "ein gutes Leben innerhalb der natürlichen Belastbarkeitsgrenzen der Erde zu ermöglichen", entfernt, sagte Rebernig gegenüber der APA. Europa habe einige Fortschritte erzielt, es seien aber noch mutige Maßnahmen gefordert.

Durch EU-Maßnahmen konnte dem Bericht zufolge in den vergangenen fünf Jahren die Umweltverschmutzung teilweise reduziert werden. Auf lange Sicht ist der Ausblick aber beunruhigend: Die Belastungen durch Klimawandel, steigenden Ressourcenverbrauch, Verlust an Böden und Biodiversität sowie den Einsatz von Chemikalien auch in Konsumgütern werden sich weiter intensivieren. Die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit nehmen dadurch zu.

Megatrends, Entwicklungen auf globaler Ebene, stellen laut dem "SOER" die europäische Umweltpolitik vor weitere Herausforderungen und beeinflussen Umwelt und Lebensstandard. So hat etwa der weltweite Anstieg beim Ressourcenverbrauch und bei Treibhausgasemissionen Europas Fortschritte in diesen Bereichen aufgehoben. Die Globalisierung von Lieferketten verlagert die Auswirkungen europäischer Produktion und Konsummuster in andere Teile der Welt.

Umwelt hängt von Wirtschaft ab

"Der 'SOER' zeigt, dass die Umwelt stark von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen beeinflusst wird. Diese Wechselwirkungen müssen mehr als bisher berücksichtigt und in die betreffenden Politikbereiche integriert werden", sagte Rebernig. Besonders bei den im "SOER" angesprochenen Themen Energie, Verkehr, Raumplanung, Gesundheit, Ernährung, Bildung und Finanzen seien neue Strategien nötig. "Dazu benötigt die Umwelt weitere Verbündete aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft", so Rebernig.

science.ORF.at/APA

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