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Sonde "Dawn" kreist um den zerklüfteten Zwergplaneten Ceres

"Dawn" erreicht Zwergplaneten Ceres

Acht Jahre ist die Raumsonde "Dawn" unterwegs gewesen. Am Freitagnachmittag erreichte sie nach einer fast fünf Milliarden Kilometer langen Reise endlich ihr Ziel. Die Raumsonde sei erfolgreich in die Umlaufbahn des Zwergplaneten Ceres eingeschwenkt, hieß es von der Raumfahrtbehörde NASA.

Astronomie 06.03.2015

Um 14.36 Uhr (MEZ) ging das Signal in der Bodenstation ein und lieferte die Bestätigung: "Dawn" wurde vom Schwerefeld des Zwergplaneten eingefangen. "Es lief alles genau wie geplant", sagte Marc Rayman, der Chefingenieur und Direktor der Mission. In den nächsten Monaten soll sich die Sonde dem eisigen Himmelskörper im Planetoidengürtel zwischen Mars und Jupiter sukzessive annähern. Die Mission soll unter anderem herausfinden, ob im Inneren von Ceres unterirdische Ozeane verborgen sind.

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Über die "Dawn"-Mission berichten auch die Ö1-Journale.

"Geschichtsforschung im All"

Planetoiden sind kleinere Himmelskörper aus der Frühzeit des Sonnensystems, die die Sonne umkreisen. Manche sind mehrere hundert Meter, andere Hunderte Kilometer groß. In dem Planetoidengürtel vermuten NASA-Wissenschaftler "einige der großen Mysterien" über die Anfänge unseres Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren - und nannten die Sonde deswegen "Dawn", "Morgendämmerung". Die Planetoiden enthalten quasi den "Bauschutt" unseres Sonnensystems. "Die Erforschung von Ceres ist wie eine Art Geschichtsforschung im All", sagte NASA-Manager Jim Green. "Daten, die ,Dawn‘ zur Erde schickt, könnten entscheidend dazu beitragen, zu verstehen, wie das Sonnensystem entstand."

Woher der Name "Ceres" stammt

Ceres wurde in der Neujahrsnacht 1801 vom Sizilianer Giuseppe Piazzi entdeckt. Er benannte den neuen Himmelskörper nach der Patronin Siziliens, der römischen Göttin des Ackerbaus, der Fruchtbarkeit und der Ehe. Zwei Jahre später, im Jahr 1803, entdeckten drei Forscher das Element Cer - dessen Name leitet sich wiederum von jenem des Zwergplaneten ab.

Der Status "Zwergplanet" ist jüngeren Datums: Der Begriff wurde 2006 von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) offiziell eingeführt, um Himmelskörper der Größenklasse Plutos von den "echten" Planeten abzugrenzen. Weitere Zwergplaneten neben Ceres und Pluto sind: Eris, Makemake, Haumea. In den nächsten Jahren könnten noch einige hinzukommen, zumindest hat die IAU ein paar Hundert Kandidaten auf der Liste, die die entsprechenden Kriterien erfüllen könnten.

Bild: "Dawn" kreist um Zergplaneten Ceres

NASA

NASA/ESA-Tweet nach "Dawns" Eintritt in den Orbit: "Change of Address" ("Neue Adresse notieren")

Zwergplanet Ceres, Oberflächendetails

NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA

Zwergplanet Ceres, aufgenommen aus einer Entfernung von 46.000 Kilometern

Die Kosten für "Dawn" werden von der NASA mittlerweile mit insgesamt rund 470 Millionen Dollar (etwa 420 Mio. Euro) angegeben. Die Mission hat schon viel hinter sich: Nachdem die Reise wegen zu hoher Kosten und technischer Probleme schon abgesagt worden war, konnte die Sonde nach einer Kehrtwende der NASA dann im September 2007 doch noch vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida starten.

Zwischenstopp bei Asteroid Vesta

Knapp vier Jahre später erreichte sie ihr erstes Ziel: Vesta. Der vor mehr als 200 Jahren entdeckte Asteroid, der einen Durchmesser von nur rund 500 Kilometern hat, ist der hellste in unserem Sonnensystem. Mehr als ein Jahr lang umrundete und erforschte "Dawn" Vesta und lieferte zur Freude der Wissenschaftler unendlich viele Fotos und Messdaten. Im September 2011 machte sich die Raumsonde dann auf den Weg zu Ceres.

Der 1801 entdeckte Zwergplanet misst im Durchmesser etwa 950 Kilometer und gilt als wahrer Eisklumpen - allein sein Eismantel soll 100 Kilometer dick sein. Darunter vermuten die Forscher Wasser. Mit zahlreichen wissenschaftlichen Instrumenten soll Ceres in den kommenden Monaten genauer untersucht werden - unter mit anderem mit Multispektralkameras, die komplett in Deutschland unter der Federführung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in Göttingen entwickelt wurden.

Eis auf der Oberfläche?

Die ersten Ergebnisse brachte schon der Anflug. "Dawn" funkte die bisher detailreichsten Bilder von Ceres. Sie zeigen vor allem Krater und helle Flecken - wobei in dem Fall hell laut dem Max-Planck-Institut relativ ist: Ceres ist schwarz wie Kohle, seine hellen Flecken sind immer noch so dunkel wie eine Asphaltfläche.

Vesta, Ceres, Mars im Größenvergleich

NASA/JPL/John Hopkins University/Space Telescope Science Institute/MSSS/ESA/DLR

Vesta (l.), Ceres und Mars im Größenvergleich

Trotzdem interessieren sich Wissenschaftler schon jetzt brennend für diese Bereiche. Es könnte sich um freigelegtes Eis handeln, dass Licht reflektiere, sagte Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt: "Ganz ehrlich, Ceres ist viel spannender, als ich gedacht habe." Das gesamte NASA-Team sei von den im Sonnensystem einzigartigen Flecken begeistert, sagte NASA-Wissenschaftlerin Carol Raymond. "Wir werden herausfinden, um was es sich da genau handelt. Das Rätsel wird gelöst werden."

science.ORF.at/dpa

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