Standort: science.ORF.at / Meldung: "Mehr als 22.000 Masern-Fälle seit Anfang 2014"

Eine Ärztin hält einen Masernimpfstoff in der Hand.

Mehr als 22.000 Masern-Fälle seit Anfang 2014

Mehr als 22.000 Menschen in sieben Ländern haben sich seit 2014 in Europa mit Masern angesteckt. Das bedrohe das Ziel, die Krankheit auf dem Kontinent bis Ende dieses Jahres auszurotten, warnte das Europa-Büro der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor kurzem.

Europa 10.03.2015

"Obwohl die Masernfälle zwischen 2013 und 2014 um 50 Prozent gesunken sind, gibt es immer noch große Ausbrüche", hieß es vonseiten der Organisation.

Am meisten Fälle in Kirgistan

Aus Deutschland sind 583 Fälle gemeldet worden. Mit knapp 7.500 registrierten Erkrankungen gab es die meisten Fälle seit Jänner 2014 in Kirgistan. Aus Bosnien und Herzegowina seien 5.340 Fälle gemeldet worden, aus Russland und Georgien jeweils knapp 3.300. In Italien steckten sich seit Anfang vergangenen Jahres knapp 1.700 Menschen an. In Kasachstan wurden laut WHO-Statistik knapp 540 Erkrankungen erfasst.

Am Mittwoch gab es dazu auch eine Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde. "Impfen war, ist und bleibt alternativlos. Offensichtlich und leider ist es immer noch eine Notwendigkeit, auf die Wirkung und Wichtigkeit der Durchimpfungen öffentlich hinzuweisen", betonte der Präsident der Fachgesellschaft, Wolfgang Sperl.

20 Prozent Komplikationsrate

Masern sind eine hochinfektiöse, virale Infektionskrankheit, die bei ungeschützten Personen in über 90 Prozent mit einer klinischen Symptomatik einhergeht. Die Masernviren werden direkt oder durch Tröpfcheninfektion übertragen und führen nach einer Inkubationszeit von acht bis zwölf Tagen zu ersten Symptomen wie Fieber, Schnupfen und Bindehautentzündung und danach zum Auftreten eines Ausschlages, begleitet von einem Fieberanstieg.

Die Gesellschaft der österreichischen Kinderärzte stellte vor kurzem fest: "Die Komplikationsrate beträgt in den Industrienationen 20 Prozent, am häufigsten werden Durchfall, Mittelohrentzündung, Krampfanfälle und Lungenentzündung beobachtet." Eine seltene Spätfolge ist die absolut tödlich verlaufende subakut sklerosierende Panenzephalitis (SSPE). In Industriestaaten stirbt etwa eines von tausend mit Masern infizierten Kindern an dieser Erkrankung.

Mensch als einziger Wirt

"Da der Mensch der einzige Wirt für Masernviren ist, können die Masern nur durch eine konsequent hohe Durchimpfungsrate der Bevölkerung ausgerottet werden", hat dazu Werner Zenz, Leiter der Forschungseinheit für Infektiologie und Vakzinologie an der Medizinischen Universität Graz, betont.

In Österreich sowie in vielen Ländern Europas (Ausnahme Nordeuropa) sind die Durchimpfungsraten nicht ausreichend hoch, daher kann es immer wieder zu Ausbrüchen kommen.

science.ORF.at/APA/dpa

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