Standort: science.ORF.at / Meldung: "Bericht: EU-Konsum fördert illegale Rodungen"

Gerodetes Stück Regenwald im Lore Lindu Nationalpark in Sulawesi (Indonesien)

Bericht: EU-Konsum fördert illegale Rodungen

Die Europäische Union ist einer der weltweit größten Importeure von Waren, deren Herstellung mit illegalen Rodungen einhergeht. Betroffen sind vor allem die Regenwälder Indonesiens und Brasiliens. Das geht aus einem aktuellen Bericht der NGO Fern hervor.

Umwelt 17.03.2015

Die abgeholzten Flächen sind der Studie zufolge enorm. Zwischen 2000 und 2012 wurden demnach alle zwei Minuten illegale Anbauflächen in der Größe eines Fußballfeldes geschaffen, um die EU mit Rindfleisch, Leder und Lebensmitteln Dollar zu versorgen. Der Wert der Waren beträgt laut Fern sechs Milliarden Euro jährlich.

"Es ist sehr gut dokumentiert, dass die EU den Weltmarkt als Importeur von Produkten anführt, durch die Entwaldung vorangetrieben wird", wird Fern-Mitarbeiterin Saskia Ozinga in einer Aussendung zitiert. "Aber dies ist das erste Mal, dass wir über Daten verfügen, die zeigen, in welchem Ausmaß diese Entwaldung illegal ist."

Laut den erhobenen Daten sind die Niederlande, Italien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien in dieser Hinsicht führend. Diese fünf Länder vereinigen drei Viertel des EU-weiten Imports (und 63 Prozent des EU-weiten Konsums) illegalen Ursprungs auf sich, und zwar mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Niederlande und Deutschland sind die größten Importeure von Palmöl, das für Nahrungsmittel und Kosmetika verwendet wird, Großbritannien führt das meiste Rindfleisch ein, Italien das meiste Leder, Frankreich ist wiederum der größte Soja-Importeur.

"Klimawandel, Korruption und Gewalt"

Dieses Resümee sei in zweifacher Hinsicht bedenklich, sagt Studienautor Sam Lawson. Zum einen, weil Abholzung den Klimawandel vorantreibe. Zum anderen, "weil die illegale Entwaldung auch zu Korruption, Gewalt und Missbrauch der Menschenrecht führt. Menschen, die versucht haben, illegale Entwaldung zu stoppen, wurden bedroht, angegriffen und sogar getötet."

Schätzungen zufolge sind 90 Prozent aller Entwaldungen in Brasilien illegal, in Indonesien sind es kaum weniger, nämlich rund 80 Prozent. Die gegenwärtigen EU-Richtlinien für Landwirtschaft, Handel und Energie hätten die Nachfrage nach solchen Naturflächen gesteigert, schreibt Fern in seinem Bericht. Die in Brüssel ansässige NGO fordert nun von der EU einen Aktionsplan. Dieser soll sicherstellen, dass in Zukunft nur legale und nachhaltig produzierte Rohstoffe importiert werden.

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