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Grün leuchtender Pilz

Leuchtpilze locken nachts Insekten an

Wenn es Nacht wird im brasilianischen Kokoswald, beginnen einige Pilze grünlich zu leuchten. Wozu das gut ist, haben nun Forscher aus Brasilien und den USA herausgefunden: Die Pilze locken auf diese Weise Insekten an, die dann ihre Sporen verbreiten.

Biologie 19.03.2015

Von den insgesamt 100.000 beschriebenen Pilzen leuchten gerade mal 71 Spezies, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Current Biology". "Neonothopanus gardneri" ist der Meister in Sachen Biolumineszenz: Er gehört zu den größten und am hellsten leuchtenden Pilzen und wächst in den Kokoswäldern Brasiliens am Fuße der Palmen. Bisher nahmen viele Fachleute an, dass Leuchtpilze rund um die Uhr ihr Licht produzieren, auch wenn es tagsüber nicht sichtbar ist.

Rhythmische Lichtsignale

Die Forscher um Anderson Oliveira von der Universität São Paulo (Brasilien) zeigten nun, dass der Pilz Neonothopanus gardneri sein Licht rhythmisch aussendet, dass also die Leuchtintensität im Verlauf eines Tages zu- und wieder abnimmt.

Um Licht zu erzeugen, müssen der Leuchtstoff Luciferin und das Enzym Luciferase unter Sauerstoffbeteiligung miteinander reagieren. Das Luciferin wird dabei zur Aussendung eines Lichtteilchens angeregt.

Die Studie

"Circadian Control Sheds Light on Fungal Bioluminescence", Current Biology (19.3.2015; doi: 10.1016/j.cub.2015.02.021)

Leuchtpilz tagsüber und nachts

Michele P. Verderane/IP-USP-2008

Neonothopanus gardneri: tagsüber und nachts

Die Tatsache, dass der Pilz das Leuchten reguliere, spreche dafür, dass es eine Funktion besitze - und nicht bloß ein Abfallprodukt seines Stoffwechsels sei, schreiben die Wissenschaftler.

Um herauszufinden, was diese Funktion sein könnte, machten sie ein weiteres Experiment: Sie bastelten Kunstpilze aus Acrylharz, die im Inneren ein kleines, grünlich leuchtendes LED-Lämpchen hatten.

Insekten verbreiten Sporen

Dann brachten sie diese Kunstpilze und - zur Kontrolle - solche ohne LED-Lampe an einem Baumstamm an und beobachteten, was geschah. Rund um die leuchtenden Kunstpilze versammelten sich nun unzählige Insekten, viel mehr als um die nicht-leuchtenden Kontrollpilze. Die Wissenschaftler fanden Käfer, Mücken, Fliegen, Wespen, Ameisen und andere kleine Krabbler. Von allen beobachteten Insekten ist bekannt, dass sie grünes Licht sehen können.

"Es scheint so zu sein, dass die Pilze Licht machen, um von Insekten gesehen zu werden, die dann dem Pilz helfen, neue Gebiete zu besiedeln", erläutert Cassius Stevani, einer der beteiligten Forscher von der Universität São Paulo.

Die Insekten übernehmen damit die Aufgabe des Windes, mit dem die Sporen einiger anderer Pilzarten verbreitet werden. Da es unter dem Dach des Waldes nur wenig Wind gebe, seien die Insekten für die Verbreitung der Pilze sehr hilfreich.

science.ORF.at/dpa

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