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Eine Hand streichelt den Rücken einer Frau

Wie Pflegeprodukte Allergien auslösen

Kommen Menschen oder Tiere mit einem der wichtigsten in Pflegemitteln verwendeten Enzyme in Kontakt, können starke allergische Reaktionen der Haut die Folge sein, wie ´Wiener Forscher herausgefunden haben. Das Enzym Papain stammt ursprünglich aus der Papaya und wird auch "pflanzliches Pepsin" genannt.

Haut 10.04.2015

Erika Jensen-Jarolim, Leiterin der Abteilung für Komparative Medizin an der Medizinischen Uni Wien, untersuchte mit ihrem Team, wie sich Papain direkt auf der Haut von Mäusen verhält und auf Hautzellen in der Petrischale auswirkt. Die Erstautorinnen Caroline Stremnitzer und Krisztina Manzano-Szalai zeigten gemeinsam mit dem Projektteam, dass Papain die Zellverbindungen von Hautschichten aufspaltet. Das führt offenbar zum Verlust der natürlichen Barrierefunktion. "Bereits nach kurzer Einwirkzeit wurden Blutgefäße durchlässiger, und Entzündungszellen wanderten ein", schilderte Erika Jensen-Jarolim.

Etwa zwei Wochen nach der Behandlung mit Papain fanden die Forschenden bei den Mäusen Antikörper gegen Papain. Diese Immunglobuline sind Auslöser der allergischen Reaktion gegen das Enzym. "Bei den behandelten Mäusen kam es also nicht nur zum Verlust der Barrierefunktion der Haut, sondern auch zu einer spezifischen Allergisierung gegen Papain. Die Tiere entwickelten also eine Allergie", betonte Jensen-Jarolim.

Die Öffnung der Hautbarriere scheint jedoch nicht die Voraussetzung für die Allergisierung gegen Papain zu sein. "Das Enzym macht auch allergisch, wenn seine enzymatische Funktion blockiert ist", erklärte die Expertin. Das Aufbrechen der Hautbarriere könne aber wesentlich für das Eindringen anderer Allergene und Bakterien sein. Das als Enzym wirkende Protein Papain hat große strukturelle Ähnlichkeiten mit einem der wichtigsten Allergene der Hausstaub- und Mehlmilben. Hier könnte es einen Zusammenhang geben. "Menschen mit empfindlicher Haut und Kleinkinder sollten das Enzym möglichst meiden und auf die deklarierte Zusammensetzung von Konsumprodukten achten, die gemäß der Richtlinie 2000/13/EG der Europäischen Union geregelt ist", so Erika Jensen-Jarolim.

science.ORF.at/APA

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