Standort: science.ORF.at / Meldung: "Hinweise auf Wasser in flüssiger Form"

Der Marsrover Curiosity der NASA auf dem Mars

Hinweise auf Wasser in flüssiger Form

Dass es auf dem Mars vor Milliarden Jahren große Mengen an Wasser gegeben hat, ist seit Langem bekannt. Auch dass er bis heute riesige Eisgletscher tief im Inneren verbirgt. Eine neue Studie geht nun einen Schritt weiter: Sie hat Hinweise auf flüssiges Wasser nahe der Oberfläche gefunden - das es heute noch gibt.

Marsoberfläche 14.04.2015

Darauf deuten zumindest jüngste Messungen des Marsrovers "Curiosity" hin, der vor rund zweieinhalb Jahren am Äquator des Roten Planeten gelandet ist. Zu bestimmten Zeiten könnte sich in den oberen fünf Zentimetern des Bodens aus der Luftfeuchtigkeit eine sehr salzhaltige Wasserlösung bilden, die danach wieder verdunstet.

Hinweise auf aktuell vorhandenes Leben auf dem Mars seien das nicht, betont ein Forscherteam um den spanischen Astronomen F. Javier Martin-Torres vom Andalusischen Institut für Erdwissenschaften. Denn dafür gebe es vermutlich zu wenig Wasser, es sei zu kalt, und die kosmische Strahlung sei zu stark.

Die Studie:

"Transient liquid water and water activity at Gale crater on Mars" von F. Javier Martín-Torres und Kollegen ist am 13. April 2015 in "Nature Geosciences" erschienen.

Ö1-Sendungshinweis:

Über das Thema berichteten auch die Ö1-Journale, 13. April, 17.00 Uhr.

Wasserdampf kondensiert aus der Atmosphäre

Bereits von früheren Studien war bekannt, dass der von "Curiosity" untersuchte Marsboden große Mengen von Salzen (Perchlorate) enthält. Diese Salze senken den Gefrierpunkt von Wasser: Es bleibt auch bei Temperaturen weit unter null Grad Celsius flüssig, ist dafür aber sehr salzhaltig.

Unter bestimmten Umständen absorbieren die Salze Wasserdampf aus der Atmosphäre, und genau diese haben die Forscher nun ausfindig gemacht. "Die Messungen der 'Curiosity'-Wetterstation zeigen, dass diese Bedingungen nachts und direkt nach Sonnenaufgang im Winter existieren", erklärt der Astrophysiker und Studienmitautor Morten Bo Madsen von der Universität Kopenhagen. Der Rover zeichnet am Boden und in 1,6 Metern Höhe unter anderem Lufttemperatur und -feuchtigkeit auf.

"Wenn es Nacht wird, kondensiert ein Teil des Wasserdampfs aus der Atmosphäre auf der Planetenoberfläche als Reif, aber das Kalziumperchlorat ist sehr stark absorbierend und bildet mit dem Wasser eine Salzlauge, wobei der Gefrierpunkt sinkt und der Reif so zu einer Flüssigkeit werden kann", erläuterte Madsen in einer Aussendung. Der Boden sei so porös, dass diese einige Zentimeter tief einsickere. Tagsüber verdampfe das Wasser dann wieder.

Vergleich Erde - Mars

Der Mars ist mit einem Durchmesser von 6.794 Kilometern nur etwa halb so groß wie unser Heimatplanet. Da der Marsäquator ähnlich geneigt ist wie der irdische, gibt es auch auf dem Nachbarplaneten Jahreszeiten. Ähnlich wie die Erde hat der Mars Polkappen. Die Temperaturen schwanken etwa zwischen minus 125 und plus 35 Grad Celsius.

Schema das Wasserkreislaufs auf dem Mars

Martín-Torres und Zorzano

Schema das möglichen Wasserkreislaufs auf dem Mars

Gale-Krater war einmal ein großer See

Da Perchlorate auf dem Mars weit verbreitet seien, erwarten die Wissenschaftler, dass dieser Prozess nicht nur im Gale-Krater stattfindet, den "Curiosity" erkundet. Die Beobachtung reiht sich ein in eine Kette von Hinweisen auf flüssiges Wasser, das einst auf dem Mars existiert haben muss oder sogar heute noch vorkommt. So haben Forscher Spuren ausgetrockneter Seen und Flüsse erspäht sowie Sedimente gefunden, von denen sie auf ehemalige Wasservorkommen schließen.

Auch "Curiosity" hat Sedimentablagerungen im Gale-Krater aufgespürt, die darauf hinweisen, dass es dort einst große Mengen flüssiges Wasser gegeben haben muss. "Die Sedimentplatten auf dem Boden deuten darauf hin, dass der gesamte Gale-Krater einmal ein großer See gewesen sein könnte", berichtete Madsen.

Vor 4,5 Milliarden Jahren habe der Mars 6,5-mal so viel Wasser gehabt wie heute und zudem eine dichtere Atmosphäre. Das meiste Wasser ist heute von der Marsoberfläche verschwunden. Ein Teil davon könnte sich ins All verflüchtigt haben.

Sedimentäre Ablagerungen auf dem ehemaligen See, dem heutigen Gale-Krater

NASA/JPL-Caltech/MSSS

Sedimentäre Ablagerungen auf dem ehemaligen See, dem heutigen Gale-Krater

Gletscher unter der Oberfläche

Ein anderer Teil könnte in unterirdischen Gletschern gefangen sein, die ein anderes Forscherteam durch Messungen der Sonde "Mars Reconnaissance Orbiter" (MRO) in den mittleren Breiten des Roten Planeten entdeckt hat. Die Radarmessungen zeigten massive Wassereisgletscher unter einer dicken, schützenden Staubschicht, wie es vergangenen Woche in einer Studie in den "Geophysical Research Letters" hieß.

"Wir haben berechnet, dass die Gletscher mehr als 150 Milliarden Kubikmetern Eis entsprechen", berichtete Nanna Bjornholt Karlsson von der Universität von Kopenhagen in einer Aussendung. "Diese Menge Eis könnte die gesamte Marsoberfläche mit 1,1 Metern Eis bedecken. Das Eis der mittleren Breiten ist daher ein wichtiger Teil des Wasserreservoirs auf dem Mars."

science.ORF.at/dpa

Mehr zu dem Thema: