Standort: science.ORF.at / Meldung: "Künstliche Befruchtung soll Nashörner retten"

Breitmaulnashorn im deutschen Serengeti-Park

Künstliche Befruchtung soll Nashörner retten

Er hat vier Beine, einen tonnenschweren Körper und wird bewacht wie ein Spitzenpolitiker: Der Bulle Sudan ist das letzte Männchen seiner Nashornunterart, des Nördlichen Breitmaulnashorns. Tierärzte versuchen nun, das endgültige Aus für die Tiere mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung zu verhindern.

Veterinärmedizin 20.04.2015

Alle Hoffnungen ruhen derzeit auf Morne dela Rey. Der südafrikanische Veterinär ist spezialisiert auf künstliche Befruchtung und versucht, das Überleben von Ceratotherium simum cottoni zu sichern. Weltweit gibt es nur noch fünf Exemplare der Unterart.

Von Wachmännern beschützt

Zwei Weibchen leben in einem Zoo in Tschechien, drei weitere Tiere im kenianischen Wildtierreservat Ol Pejeta. Wenn der Bulle Sudan und die beiden Weibchen Najin und Fatu grasend über das weitläufige Gelände dort streifen, folgen ihnen die Blicke bewaffneter Wachmänner.

"Als Vorsichtsmaßnahme haben wir ihnen zwar das Horn abgenommen, doch Leute töten Nashörner selbst für das kleinste Stück, das diese vielleicht noch tragen", sagt der Geschäftsführer von Ol Pejeta, Richard Vigne.

Auf dem Schwarzmarkt kann ein Kilo Horn nach Expertenschätzungen um die 50.000 Euro einbringen. Vor allem in Asien wird das überwiegend aus Keratin bestehende Horn als angeblich potenzsteigerndes und gegen allerlei Erkrankungen wirkendes Mittel geschätzt.

Wilderer sind größte Gefahr

Noch 1960 wurden nach Daten der Naturschutzorganisation WWF 2.250 Nördliche Breitmaulnashörner in Uganda, dem Tschad, Sudan, der Zentralafrikanischen Republik sowie im Kongo gezählt. Schon 1998 lebten nur noch 25 der Tiere im kongolesischen Garamba-Nationalpark in freier Wildbahn.

"Wilderei war immer die größte Bedrohung und ist es bis heute geblieben", sagt Joseph Okori, Nashorn-Experte des WWF. Hinzu komme die Zerstörung des Lebensraumes der Pflanzenfresser durch Bergbau, Abholzung, Siedlungsbau und Konflikte.

Versuche, eine natürliche Vermehrung der Tiere zu erreichen, blieben bisher erfolglos. Nun ist Bulle Sudan bereits 42 Jahre alt. Vielleicht lebt er noch weitere fünf bis acht Jahre - doch die Uhr tickt. Darum kam der Südafrikaner Dela Rey und seine Firma Embryo Plus ins Spiel: Mitarbeiter sammeln Sperma des Bullen, zudem wurden Eizellen von zwei Weibchen entnommen. "Es ist der letzte Versuch, die Nördlichen Breitmaulnashörner vor dem Aussterben zu bewahren", sagt Ol-Pejeta-Geschäftsführer Vigne.

Eingefrorenes Sperma als letzte Chance

Das Sperma wird in einer Samenbank eingefroren. Selbst wenn Sudan bald sterben sollte, könnte er noch lange Zeit für Nachkommen sorgen - theoretisch. Experten weisen darauf hin, dass sich die Qualität von Spermien mit zunehmendem Alter des Männchens verschlechtert, und damit auch die Chance für eine geglückte Befruchtung.

In den nächsten Wochen, so hoffen die Veterinäre, gelingt es ihnen, im Labor einen Embryo entstehen zu lassen und ihn einem Südlichen Breitmaulnashorn-Weibchen einzupflanzen. Von dieser Unterart leben noch mehr als 20.000 Tiere in Afrika.

Kristin Palitza, dpa

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