Standort: science.ORF.at / Meldung: "Gelsenstichrisiko liegt auch im Erbgut"

Eine Gelse sitzt auf einem Finger

Gelsenstichrisiko liegt auch im Erbgut

Den einen stechen sie wie wild, den anderen verschonen sie: Mücken sind wählerisch. Manche Menschen haben einfach "süßeres Blut", wie der Volksmund schon lange weiß. Eine Studie zeigt nun: Das Risiko für Gelsenstiche wird auch von den Genen mitbestimmt, diese beeinflussen vermutlich den Körpergeruch.

Zwillingsstudie 22.04.2015

Das ergab der Vergleich von eineiigen und zweieiigen Zwillingen. Würden man die entsprechenden Gene ausfindig machen, ließen sich eventuell bessere Abwehrmittel entwickeln.

Dass Gelsen nicht auf jeden Menschen gleichermaßen fliegen, ist schon länger bekannt. Schwangere werden etwa häufiger gestochen als andere Frauen, schreiben die Forscher um James Logan von der London School of Hygiene and Tropical Medicine. Auch dickere Menschen und solche mit höherer Körpertemperatur scheinen für Mücken besonders attraktiv zu sein.

Häufig werde die Ernährung als Erklärung für die unterschiedliche Anfälligkeit herangezogen. Knoblauch und Bier sollen demnach zum Beispiel vor Stichen schützen. In wissenschaftlichen Studien habe sich das allerdings nicht belegen lassen. Dass der Körpergeruch das Mückenstichrisiko beeinflusst, sei hingegen bereits erwiesen, der zugrunde liegende Mechanismus allerdings bisher unklar.

Unterschiedlich begehrt

Die Studie

"Heritability of Attractiveness to Mosquitoes" von G. Mandela Fernández-Grandon et al., erschienen am 22. April 2015 in "PLOS".

Eineiige Zwilling bei einem Test für eine Zwillingsstudie

London School of Hygiene and Tropical Medicine

Eineiige Zwillinge (nicht Teil der Studie) und der verwendete Mückenflugkanal.

Um ihn aufzuspüren, nutzen die Forscher einen speziellen Testparcours: Sie ließen Tigermücken (Aedes aegypti) in einem Flugkanal fliegen, der sich nach einer kurzen Strecke wie ein Y in zwei Wege aufspaltete. Die Mücken konnten sich je nach bevorzugtem Geruch für einen der beiden Kanäle entscheiden. Am oberen Ende der Kanäle steckte jeweils die Hand einer Versuchsperson. Teilnehmer waren 18 eineiige - also genetisch weitgehend identische - und 19 zweieiige weibliche Zwillingspaare, deren Erbgut sich wie das anderer Geschwister erheblich unterscheidet.

Die Auswertung zeigte, dass die Beliebtheit der eineiigen Zwillinge bei den Mücken sehr ähnlich war. Die zweieiigen Zwillinge waren hingegen unterschiedlich stark begehrt. Das weise darauf hin, dass die Gene das Mückenstichrisiko beeinflussen, schreiben die Forscher. Die Erblichkeit sei in etwa so stark ausgeprägt wie bei Körpergröße und Intelligenz. Nun sollen in weiteren Untersuchungen die entscheidenden Gene gefunden und die Steuermechanismen dafür identifiziert werden.

Maßgeschneiderte Mittel

"Wenn wir die genetische Basis für die Variation zwischen Individuen verstehen, könnte es möglich sein, maßgeschneiderte Mittel zur besseren Kontrolle der Mücken und neue Abwehrmöglichkeiten zu entwickeln", sagte Logan. Das erlaube auch einen besseren Schutz vor den Krankheiten, die die Insekten übertragen können - Tigermücken zum Beispiel das Dengue-Fieber.

In einem anderen Versuch hatten US-Wissenschaftler den Geruchssinn zweier Mückenarten genetisch so manipuliert, dass sie Menschen nicht mehr riechen konnten. Obwohl Mücken noch andere Ortungstaktiken haben, um an Blut zu kommen, könne der neue Ansatz für den Kampf gegen Malaria und Dengue-Fieber interessant werden. Andere Forscher arbeiten an einer "chemischen Tarnkappe" - einem Wirkstoff, der die Riechzellen der Mücken, mit denen sie den verlockenden Duft menschlicher Haut und das ausgeatmete Kohlendioxid wahrnehmen, blockiert.

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zum Thema: