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Unwetter: Wolken türmen sich auf

Extremes Wetter: Der Mensch trägt Mitschuld

Der Klimawandel führt schon heute zu deutlich mehr Wetterextremen - und Schuld daran ist zu einem nicht unbeträchtlichen Teil der Mensch, wie eine Studie zeigt: 75 Prozent aller Hitzewellen und knapp ein Fünftel der schweren Niederschläge sind "hausgemacht".

Klimawandel 28.04.2015

2014 war nach Angaben der World Meteorological Organization das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen vor 165 Jahren. Und 2014 war auch ein Jahr der Wetterextreme: Fluten in Bangladesch, Hitzewellen in Australien, Wolkenbrüche in Kenia - das sind nur drei Beispiele für die Kapriolen, die das Wetter im vergangen Kalenderjahr geschlagen hat.

Die Studie

"Anthropogenic contribution to global occurrence of heavy-precipitation and high-temperature extremes", Nature Climate Change (27.4.2015; doi: 10.1038/nclimate2617).

Besteht zwischen beiden Entwicklungen - Erderwärmung und Wetter jenseits der Norm - ein Zusammenhang? Ja, schreiben Erich Fischer und Reto Knutti im Fachblatt "Nature Climate Change".

Die beiden Forscher von der ETH Zürich haben mit Hilfe verschiedener Klimamodelle den menschlichen Einfluss auf das Wetter abgeschätzt - und bestätigen, was man schon bisher vermutet hat, aber nicht nachweisen konnte: Die Klimaerwärmung macht Wetterkapriolen wahrscheinlicher. "Kleine Unterschiede im Temperaturanstieg machen viel aus", sagt Studienautor Erich Fischer.

Prognose: Stärkere Niederschläge im Norden

So könnte bei einer Erwärmung der Erde um zwei Grad Celsius - im Vergleich zum vorindustriellen Niveau - die Wahrscheinlichkeit von Hitzetagen gegenüber heute um das Fünffache steigen. Ähnlich dramatische Folgen habe die Erwärmung für die extremen Regentage. Bei einem Plus von zwei Grad könnten dann 40 Prozent der Niederschlagsextreme vom Menschen verursacht sein, heißt es in der Studie.

Die Nordhalbkugel bekäme vor allem die vermehrten Tage mit sintflutartigem Regen zu spüren, sagte Klimatologe Fischer. In anderen, ohnehin schon heißen Regionen, würden die Hitzetage noch häufiger und somit zu einer noch größeren Herausforderung.

Auch Hagel und Stürme Menschenwerk?

Ob ähnliches auch für die Wahrscheinlichkeit von Hagel oder Tornados gilt, ist unklar. Bislang durchgeführte Studien hatten in dieser Hinsicht keinen statistisch gesicherten Einfluss des Klimawandels nachweisen können. Das muss aber nicht bedeuten, dass es ihn nicht gibt, schreiben Fischer und Knutti. Denn: Es sei schlichtweg schwierig, solche kleinräumigen Ereignisse mit Modellen angemessen zu erfassen.

Bereits jetzt habe sich die Temperatur im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits um 0,85 Grad erwärmt, betonen die Forscher. Es fehlten also nur noch 1,15 Grad zur Zwei-Grad-Marke.

Ähnlich resümiert auch der britische Klimatologe Peter Stott in einem Begleitartikel zur vorliegenden Studie. Er betont allerdings: Es sei noch mehr Forschung nötig, um regionale Auswirkungen des Klimawandels berechnen und natürliche von menschengemachten Einflüssen besser unterscheiden zu können.

science.ORF.at/dpa

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