Standort: science.ORF.at / Meldung: "Selbstmord im Führerbunker"

Adolf Hitler am 6. Mai 1941

Selbstmord im Führerbunker

Am 8. Mai 1945 fand der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation Nazi-Deutschlands sein Ende. Eine Woche zuvor hatte sich Adolf Hitler der irdischen Gerechtigkeit entzogen: "Es wird festgestellt, dass Adolf Hitler, geboren am 20. April 1889 in Braunau am Inn, tot ist. Als Zeitpunkt seines Ablebens wird der 30. April 1945 festgestellt".

Hitlers Ende 28.04.2015

Diese dürre Todeserklärung des Amtsgerichts Berchtesgaden markiert das Ende des "Führers". Mit einem Pistolenschuss hatte der Mann, der den Zweiten Weltkrieg entfesselt und den Tod von Dutzenden Millionen Menschen verursacht hatte, im Alter von 56 Jahren auf einem Sofa sitzend seinem Leben ein Ende gesetzt.

Neben ihm saß vergiftet Eva Braun, die er am Tag zuvor geheiratet hatte. Kurz nach dem Selbstmord wurden die Leichen ins Freie getragen und - wie von Hitler befohlen - in Brand gesteckt.

Armeen, die es nicht mehr gab

Damit endete auch das Dritten Reich im Führerbunker, wo zuletzt eine äußerst unwirkliche Atmosphäre geherrscht hatte. Hitler lebte längst in seiner "Fähnchenwelt", wie der Autor Joachim Fest in seinem 2002 erschienen Buch "Der Untergang" mit Blick auf die Fähnchen bestückten Landkarten diese Trugbilder beschreibt.

Er glaubte, noch bedeutende militärische Kräfte mobilisieren und den Krieg gewinnen zu können. Seine hoch dekorierten Generäle wagten nicht, ihn über die aussichtslose Lage aufzuklären. Tatsächlich aber gab es seine Armeen nicht mehr.

Hitler im Führerbunker

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Jänner 1945, Führerbunker: Hitler mit Ferdinand Schörner, dem letzten Oberbefehlshaber des Heeres; rechts: Julius Schaub, Hitlers Chefadjutant.

Der nationalsozialistische Diktator verharrte in einem Bunker tief unter der Neuen Reichskanzlei. Hitler hatte Ende April 1945 den Entschluss gefasst, in der Reichshauptstadt zu bleiben, um dort die Verteidigung zu leiten.

Es spielten sich laut Augenzeugen gespenstische Szenen ab. Hitler schritt auf und ab, brüllte Befehle und legte eine zerknüllte Straßenkarte auf den Tisch - eben mit jenen Fähnchen, die Ersatzstreitkräfte darstellen sollten. Außer ihm glaubte niemand, dass eine Kampfgruppe unter General Walther Wenck es schaffen würde, den Ring der Belagerer um Berlin zu durchbrechen.

Bruch mit Himmler, Selbstmordpläne

Der Historiker Max Domarus beschrieb in seinem vierbändigen Werk "Hitler - Reden 1932 bis 1945" im Detail, was sich vor 70 Jahren abspielte. Hitler hatte am 29. April in seinem "politischen Testament" seine alten Weggefährten Hermann Göring und Heinrich Himmler wegen "geheimer Verhandlungen mit dem Feinde" als Verräter aus der NSDAP ausgestoßen. Hitler tobte. Ausgerechnet Himmler hatte ihn hintergangen. "Ein Verräter darf niemals mein Nachfolger sein."

Adolf Hitler zeichnet Mitglieder der "Hitler-Jugend" aus.

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Adolf Hitler am 25. April 1945, vier Tage vor seinem Selbstmord.

Zugleich ernannte er für den Fall seines Todes Großadmiral Karl Dönitz zum Reichspräsidenten und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht und seinen Propagandachef Joseph Goebbels zum Reichskanzler. Goebbels entzog sich dieser Aufgabe, indem er am 1. Mai nach zwei vergeblichen Versuchen, einen Waffenstillstand mit den Russen zu erreichen, mit seiner Frau Magda Selbstmord beging. Zuvor ließen sie ihre sechs Kinder durch einen SS-Arzt ermorden.

Am 30. April verabschiedete sich Hitler von seinen Mitarbeitern im Bunker. Er und Eva Braun wollten sich mit Giftampullen umbringen. Um sicher zu sein, dass das Mittel den Tod schnell herbeiführt, ließ es der Diktator vorher an seiner Schäferhündin Blondi ausprobieren. Der Hund war auf der Stelle tot.

"Ich selbst und meine Gattin wählen, um der Schande des Absetzens oder der Kapitulation zu entgehen, den Tod. Es ist unser Wille, sofort an der Stelle verbrannt zu werden, an der ich den größten Teil meiner täglichen Arbeit im Laufe eines zwölfjährigen Dienstes an meinem Volk geleistet habe."

Dönitz tritt Nachfolge an

Für die Nachwelt enthält das politische Testament nichts Neues. Hitler zeigt keinerlei Reue für die Millionen Toten seines Vernichtungskrieges. Der Schlusssatz des Dokumentes richtete sich gegen die verhassten Juden: "Ich verpflichte die Führung der Nation und die Gefolgschaft zur peinlichen Einhaltung der Rassengesetze und zum unbarmherzigen Widerstand gegen den Weltvergifter aller Völker, das internationale Judentum."

Zwei Stunden nach Hitlers Tod bei traf ein Funkspruch von NS-Reichsleiter Martin Bormann in Flensburg ein, in dem es, zitiert vom Historiker Percy Ernst Schramm, hieß: "Großadmiral Dönitz. Anstelle des bisherigen Reichsmarschalls Göring setzt der Führer Sie, Herr Großadmiral, als seinen Nachfolger ein. Schriftliche Vollmacht folgt. Ab sofort sollen Sie sämtliche Maßnahmen verfügen, die sich aus der gegenwärtigen Lage ergeben."

Jubelnde Menschen halten Zeitungen mit der Meldung von Hitlers Tod in der Hand

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1. Mai 1945: Amerikanische Zeitungen melden HItlers Tod.

Da Bormann Hitlers Tod nicht erwähnt hatte, sandte Dönitz sofort einen Ergebenheits-Funkspruch an Hitler, zitiert bei Trevor-Roper: "Mein Führer. Meine Treue zu Ihnen wird unabdingbar sein. Ich werde daher weiter alle Versuche unternehmen, um Sie in Berlin zu entsetzen..."

Erst am Nachmittag des 1. Mai wurde Dönitz in Kenntnis gesetzt, dass Hitler bereits "verschieden" und er selbst folglich schon im Amt sei. Im Rundfunk ließ er dann um 22.26 Uhr - 31 Stunden nach Hitlers Tod - verkünden: "Aus dem Führerhauptquartier wird gemeldet, dass unser Führer Adolf Hitler heute Nachmittag in seinem Befehlsstand in der Reichskanzlei, bis zum letzten Atemzug gegen den Bolschewismus kämpfend, für Deutschland gefallen ist."

"… hat den Heldentod gefunden"

Deutlich markiger las sich die Dönitz-Proklamation an die Wehrmacht, in der er den "weiteren bedingungslosen Einsatz" forderte: "Deutsche Wehrmacht, meine Kameraden! Der Führer ist gefallen. Getreu seiner großen Idee, die Völker Europas vor dem Bolschewismus zu bewahren, hat er sein Leben eingesetzt und den Heldentod gefunden. Mit ihm ist einer der größten Helden deutscher Geschichte dahingegangen."

Diese Sprüche eine Woche vor der bedingungslosen Kapitulation Nazi-Deutschlands standen in groteskem Kontrast zu dem Bild, das sich in Berlin bot. Dort waren mittlerweile die nur unvollständig verbrannten Leichen von Eva und Adolf Hitler mitsamt der Schäferhündin Blondi unter dem Kommando des SS-Brigadeführers Johann Rattenhuber in einem Bombenkrater auf dem Reichskanzlei-Gelände beigesetzt worden.

Kurz nach der Eroberung des Hauptquartiers fanden russische Soldaten die Überreste, die später nach Russland gebracht wurden. Ernsthafte Zweifel an einer sicheren Identifizierung wurden nicht laut. Dennoch dauerte es bis 1956, ehe das Amtsgericht Berchtesgaden Hitler amtlich für tot erklärte.

science.ORF.at/APA/Reuters/dpa/AFP

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