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Die glühende Sonne hinter schwarzen Wolken.

Gefährliches Tüfteln am Klima

Es ist ein ziemlicher Kraftakt, die Welt mit genügend Energie zu versorgen. Die Umwelt leidet darunter, der Klimawandel ist zumindest teilweise darauf zurückzuführen. Dies zu ändern ist nicht leicht. Ein anderer Ausweg wäre Climate-Engineering - dabei will man das Klima gezielt verändern. Ist das ein gefährliches Spiel oder doch die Lösung?

Climate-Engineering 30.04.2015

CO2 aufsaugen

Grundsätzlich gibt es zwei Ansätze wie Climate-Engineering funktionieren könnte, erklärt Daniel Barben vom Institut für Wissenschafts-und Technikforschung in Klagenfurt: Zum einen geht es um Carbon Removal - Kohlendioxid (CO2), das sich in der Atmosphäre befindet, soll irgendwie wieder eingefangen werden.

Ö1 Sendungshinweise:

Darüber berichtet auch das Mittagsjournal am 30.4. um 12:00 und Wissen Aktuell am 30.4. um 13:55.

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Aufforstung beispielsweise wäre eine Möglichkeit, aber es gibt auch Vorschläge den Ozean zu "düngen", um so Algen wachsen zu lassen, die wiederum das CO2 binden. Allen Ideen dazu ist gemein, dass man sie großflächig durchführen müsste, um genügend CO2 wieder einzufangen. Und dass man nur sehr schwierig einschätzen kann, welche Folgen sich daraus global ergeben - selbst bei Aufforstung müsse man bedenken, wo man welche Pflanzen anbauen will. Zum Beispiel zeigen Modelle, dass es wesentlich effizienter wäre, Wälder auf der Südhalbkugel zu pflanzen, wenn man die Erderwärmung mindern will.

Sonnenlicht abschirmen

Zum zweiten beschäftigen die Befürworter des Climate-Engineering mit Solar Radiation Management - das ist wesentlich umstrittener. Dabei geht es darum, möglichst viel Sonneneinstrahlung von der Erde abzuhalten. In den meisten Fällen beruhen die Ideen darauf, die Albedo - das Rückstrahlvermögen - großflächig zu erhöhen, damit die Sonnenstrahlen die Erde nicht so sehr erhitzen können.

Das, so die Vorschläge, könnte man versuchen, indem man Wolken oder Wüsten bleicht, reflektierende Partikel in die Atmosphäre pumpt, oder gar gleich den Ozean einfärbt. Gerade erst wurde eine Studie der Carnegie Institution of Science veröffentlicht, die sich der Frage widmet, wie sinnvoll es wäre, das nördliche Polarmeer durch Schwebeteilchen weiß einzufärben, um so die Arktis kühler zu halten und das Schmelzen der Eiskappen zu verlangsamen. Wenig vielversprechend, heißt es im Fazit der Studie, nur mehr Eis im Meer wäre dadurch zu erwarten.

Unvorhersehbare Folgen

Aber es gibt noch andere Vorschläge: Zum Beispiel riesige Spiegel in den Weltraum zu bringen, die das Sonnenlicht ablenken, und der Erde so etwas Schatten spenden sollen, sagt Barben. Ein bekanntes Problem dabei ist, dass dadurch mehr diffuses Licht auf die Erde käme, und damit das Pflanzenwachstum beschleunigt würde. Weder könnte man die Folgen davon genau abschätzen, noch sicher sein, dass es nicht noch weitere Nebeneffekte solcher Pläne gäbe.

Man könne die komplexe Wirkungskette, die das Klima beeinflusst, in Wahrheit nicht genau genug einschätzen, sagt Daniel Barben. Skepsis sei auf jeden Fall angebracht, meint der Technikforscher: "Weil der Blick in die Geschichte zeigt, dass viele Versprechen darüber, was neue Technologien zu leisten in der Lage sind, sich so nicht bewahrheitet haben - und Risiken mit dazu gehören. Das heißt, auch negative Folgen."

Im anglo-amerikanischen Raum, werde viel darüber diskutiert wie man Climate-Engineering umsetzen könnte, während in Europa eher noch Vorsicht herrscht, meint Daniel Barben. Hier beschäftige man sich noch damit, ob man überhaupt über solche Eingriffe nachdenken sollte: "Denn man muss sich vor Augen halten, dass Eingriffe an ganz anderen Orten Konsequenzen haben können, als vielleicht gedacht oder intendiert war."

Globale Entscheidung

Wer darf also entscheiden, ob man solche Versuche mit dem Klima wagen will? Denn vom Klima kann sich kein Staat abschotten. Ob man einen UNO-Beschluss bräuchte, oder internationale Abkommen mehrerer Staaten, das sei alles rechtlich nicht geklärt, sagt Barben. Climate-Engineering wirft große politische Fragen auf: "Nehmen wir an, ein Staat macht bestimmte Interventionen - und das führt dazu, dass der Monsun im nächsten Jahr besonders heftig ausfällt oder ausbleibt. Dann ist die Frage, ob ein mit diesem Staat in Konflikt stehendes Land, das genau darauf zurückführt. Die Zurechenbarkeit wäre zuerst ein wissenschaftliches Problem, aber dann auch ein politisches."

Es wirkt also so, als müsse man sich global auf solche Maßnahmen einigen. Würden sich einfach alle Staaten an die ohnehin bereits erklärten Klimaziele halten, und weniger CO2 ausstoßen, bräuchte man diese Diskussion aber gar nicht zu führen, sagt Barben.

Unbequeme Wahrheit

Climate-Engineering gilt schon jetzt für manche als Hoffnungsträger. Gefährlich sei das, sagt Daniel Barben - schon wenn es nur als Idee Fuß fasst. Denn es wirke dann so, als gäbe es schon einen Ausweg, eine technische Lösung für alle Probleme, die mit dem Klimawandel einhergehen. Und so einfach sehen das nicht einmal die Wissenschaftler, die am Climate-Engineering tüfteln. Auch sie sehen das nur als Notfallsprogramm und Teil einer vielschichtigen Strategie.

Aber es gebe eben manche Menschen und Interessensgruppen, für die das eine "unbequeme Wahrheit" wäre - ganz nach dem Titel der Oscar-prämierten Dokumentation zur Klimaerwärmung. Denn in Wahrheit ist die Lösung ein langfristiger Prozess, der jede Gesellschaft verändern wird, genauso wie die Art, wie Geschäfte gemacht oder Waren transportiert werden. Und so ein Transformationsprozess, so Barben, gefährde eben das "business-as-usual" so mancher, die durch den Energiehunger und überschwänglichen Konsum der Welt reich werden. Und ihnen kommt ein Hoffnungsschimmer - egal, wie wahnwitzig - gerade recht.

Isabella Ferenci, Ö1 Wissenschaft

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