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Jemand legt eine Rose auf einen Stein, der an den Zweiten Weltkrieg erinnert

Wie die Welt an das Kriegsende denkt

In der Nacht auf den 9. Mai 1945 haben die Spitzen der Wehrmacht die Kapitulationsurkunde unterzeichnet. Das Ende des Zweiten Weltkriegs war besiegelt. 70 Jahre später wird in vielen Ländern der Befreiung gedacht - und das auf sehr unterschiedliche Weise, wie ein Vergleich von zehn Ländern zeigt.

Zweiter Weltkrieg 04.05.2015

Österreich: Am 8. Mai finden zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt, darunter ein Staatsakt mit Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und eine Gedenkveranstaltung unter dem Titel "Fest der Freude - anlässlich 70 Jahre Befreiung vom nationalsozialistischen Regime" mit Bundespräsident Heinz Fischer in Wien. Zudem sollen auf dem Zentralfriedhof sowie dem Heldendenkmal am Schwarzenbergplatz (Russendenkmal) Kränze niedergelegt werden.

Deutschland: Mit einer Gedenkstunde im Bundestag wird in Berlin am 8. Mai an das Kriegsende erinnert. Bundestagspräsident Norbert Lammert und der Präsident des Bundesrates, Volker Bouffier, (beide CDU) werden Reden halten. Auch Präsident Joachim Gauck nimmt daran teil. Anschließend wird er im brandenburgischen Lebus eine Kriegsgräberstätte besuchen und einen Kranz niederlegen.

Russland: Es soll die größte Waffenschau in der jüngeren Geschichte Russlands werden: Am 9. Mai wird in Moskau die mit viel Pomp organisierte Militärparade stattfinden. Bereits bei den Proben präsentierte das Militär seinen neuen Kampfpanzer vom Typ T-14 Armata. Russland feiert ihn als größte Errungenschaft der Rüstungsindustrie seit Jahren. Insgesamt erwartet Russland trotz eines Boykotts westlicher Politiker rund 30 Staats- und Regierungschefs zur Siegesfeier.

Polen: Auf der Westerplatte bei Danzig, wo das deutsche Kriegsschiff "Schleswig-Holstein" am frühen Morgen des 1. September 1939 das Feuer auf die polnischen Verteidiger eröffnete, gedenkt Polen am 8. Mai des Kriegsendes. Inoffiziell heißt es, dass die Präsidenten der baltischen und der mitteleuropäischen Staaten sowie der Ukraine an der Gedenkfeier auf der Westerplatte teilnehmen.

Frankreich: Als "Fest des Sieges" ist der 8. Mai in Frankreich ein Feiertag. Landesweit gibt es Gedenkfeiern. Die Zeremonie in Paris ist so eingespielt wie bildgewaltig: Die Republikanische Garde eskortiert Staatspräsident Francois Hollande über die Champs Elysees zum Grab des unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen. Dabei stoppen sie an der Statue von Charles de Gaulle, der während des Krieges die französische Exilregierung führte.

Großbritannien: Königin Elizabeth II., Thronfolger Prinz Charles und weitere Royals werden mit Veteranen am 10. Mai an einem Dankgottesdienst in der Westminster Abbey teilnehmen. Danach zieht eine Parade an dem Balkon vorbei, von dem aus Premierminister Winston Churchill am 8. Mai 1945 seine berühmte Rede zum Kriegsende in Europa hielt. Am Nachmittag fliegen historische Kampfflugzeuge über London.

USA: Anders als in Europa sind in den USA keine größeren Feiern geplant. Veteranen laden aber zu einem Gedenken am World War II. Memorial in Washington ein. Für die Amerikaner endet der Krieg nicht im Mai, sondern mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945.

Niederlande: Jährlich am 4. und 5. Mai wird in den Niederlanden an das Kriegsende erinnert. Die nationale Gedenkfeier findet am Abend des 4. Mai im Beisein des Königspaares auf dem zentralen Platz von Amsterdam, dem Dam, statt. Um 20.00 Uhr werden im ganzen Land zwei Schweigeminuten eingelegt und Ministerpräsident Mark Rutte hält eine Ansprache. Später legen König Willem-Alexander, der Regierungschef und Vertreter von Armee und Kriegsopfern Kränze am nationalen Monument nieder. Am 5. Mai feiern die Niederländer mit zahlreichen Veranstaltungen die Befreiung des Landes vor 70 Jahren.

Ukraine: Als Zeichen ihrer Annäherung an die EU hat die Ukraine erstmals den 8. Mai als Gedenktag eingeführt. Aber auch der 9. Mai bleibt wie bisher ein Feiertag. Mit der neuen Praxis soll "auf würdige Weise der Verdienste des ukrainischen Volkes in der Anti-Hitler-Koalition gedacht werden", sagte Präsident Petro Poroschenko. Auch wegen des Konflikts mit moskautreuen Separatisten verzichtet Kiew auf Militärparaden. Geplant sind Kranzniederlegungen und Kunstaktionen sowie die Vereidigung von Rekruten.

Tschechien: tschechischen Pilsen wird mit einem sechstägigen "Fest der Freiheit" an das Kriegsende erinnert. Die westböhmische Stadt war von der US-Armee befreit worden und erst später an die Sowjets abgegeben worden. Bereits am 30. April legte Regierungschef Bohuslav Sobotka am Mahnmal der Roten Armee in Ostrau (Ostrava) einen Kranz nieder. Bei einer zentralen Gedenkfeier kommen am 5. Mai Politiker und Veteranen auf der Prager Burg zusammen.

science.ORF.at/APA/dpa

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