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Josef Penninger

Was bewog Penninger zu bleiben?

Nach wochenlangem Tauziehen wurde heute bekannt, dass Josef Penninger Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der Österreichischen Wissenschaften (ÖAW) in Wien bleibt. Der Genetiker hatte zuvor mit einem Wechsel nach Deutschland geliebäugelt.

Personalia 13.05.2015

Penninger war der Direktorsposten am Berliner Max-Delbrück-Centrum (MDC) für Molekulare Medizin angeboten worden. In Interviews hatte er zuletzt nach Aufbruchsjahren eine Stagnation der Forschung in Österreich geortet. Dass er einen Abgang überhaupt in Erwägung zog, hatte - so das IMBA damals auf Nachfrage von science.ORF.at - auch mit der finanziellen Ausstattung der Grundlagenforschung in Österreich zu tun.

Finanzielle Mittel in Aussicht

Die ÖAW kündigte Abwehrverhandlungen an, Vizekanzler und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) stellte laut Medienberichten gemeinsam mit der Stadt Wien zusätzlich mehr als 20 Millionen Euro in den nächsten Jahren für das IMBA in Aussicht.

Bevor das IMBA bzw. die ÖAW Penningers Entschluss heute offiziell verkünden konnten, hatte bereits Mitterlehner in seiner Rede am ÖVP-Bundesparteitag erfreut von Penningers Verbleib berichtet. In einer SMS hätte ihm dieser persönlich geschrieben: "Ich bleibe da, ich vertraue auf diesen Standort."

Laut einer Aussendung der ÖAW war entscheidend, dass "Penninger, der sich selbst in allererster Linie als Wissenschaftler und nicht als Wissenschaftsmanager sieht, am IMBA weiterhin auf international kompetitivem Niveau Grundlagenforschung in den Lebenswissenschaften betreiben kann." In einer Mail an die Mitarbeiter hat der Genetiker geschrieben, dass er sich entschieden habe, in Wien zu bleiben, weil er nicht Administrator werden wolle.

Offenbar hat der Verbleib auch die Folge des Abbruchs seiner Verhandlungen mit dem MDC. Die Findungskommission habe am Dienstag Abend entschieden, die Sondierungen mit Penninger nicht fortzusetzen, hieß es aus dem deutschen Forschungsministerium gegenüber der APA.

Offene Fragen

Ob die in Aussicht gestellten finanziellen Mittel für Penningers Entscheidung auch eine Rolle gespielt haben, ist noch nicht bekannt. Ebenso wenig, woher die 20 Millionen Euro kommen sollen und was andere Forscher in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie diesen von derartigen Spezialvereinbarungen halten. Genug offene Fragen also, die Josef Penninger vielleicht am Freitag in einer Pressekonferenz am IMBA selbst beantworten wird.

Sicher ist schon jetzt, dass sich gleich beide Großparteien Penningers Verbleib in der österreichischen Wissenschaft auf ihre Fahnen geheftet haben. Denn nicht nur die ÖVP war schneller mit der "Freudensnachricht" als die ÖAW: Auch der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) reagierte vor der offiziellen ÖAW-Bestätigung: "Ich habe die Nachricht, dass (…) Josef Penninger weiter in Wien bleiben wird mit großer Freude vernommen."

Eva Obermüller, science.ORF.at/APA

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