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Schnappkiefer-Ameisen

Ameisen springen mit Mundwerkzeugen

Mundwerkzeuge sind nicht nur zum Fressen da, sondern mitunter auch zum Springen. Schnappkiefer-Ameisen katapultieren sich damit aus der Falle von Ameisenlöwen. Das Manöver verdoppelt Forschern zufolge ihre Überlebenschancen.

Verhaltensforschung 13.05.2015

Eigentlich dienen die Mundwerkzeuge den Insekten vor allem dazu, Beute zu überwältigen. Im Verlauf der Evolution haben sie sich darüber hinaus offenbar zu Verteidigungshilfen entwickelt.

Enorme Geschwindigkeit

Die Studie in "PLOS ONE":

"Mandible Powered Escape Jumps in Trap-Jaw Ants Increase Survival Rates during Predator-Prey Encounters" von Fredrick Larabee et al., erschienen am 13. Mai 2015.

Die Mundwerkzeuge der Schnappkiefer-Ameisen (Odontomachus), die Mandibeln, können mit enormer Geschwindigkeit zuschnappen. Bei manchen Arten maßen Wissenschaftler eine Schnappgeschwindigkeit von 60 Metern pro Sekunde. Selbst schnell rennende oder giftige Beutetiere werden damit oft erlegt, bevor sie eine Chance haben, zu entkommen oder sich zur Wehr zu setzen.

Die Mandibeln werden ebenfalls beim Nestbau oder der Pflege von Eiern und Larven benutzt. Dass die Tiere damit auch springen, hatten Forscher bereits gelegentlich beobachtet. Allerdings sei bisher nie untersucht worden, in welchen Situationen sie das machen und ob es ihre Überlebenschancen verbessert, heißt es in dem Artikel.

Sinnvolle Zweckentfremdung

Schnappkiefer-Ameise

Larabee et al.

Eine Schnappkiefer-Ameise.

Dies holten Fredrick Larabee und Andrew Suarez von der University of Illinois in Urbana-Champaign nun nach. Sie beobachteten, was geschieht, wenn sie Schnappkiefer-Ameisen in die Falle von Ameisenlöwen (Myrmeleontidae) schubsten. Als Larven hocken diese kleinen Insekten am Grund selbst gebauter Fangtrichter aus Sand und lauern auf Beute. "Fällt eine Ameise in die Falle, versucht sie fortzulaufen, aber der Sand krümelt unter ihren Füßen weg", erläutert Larabee. "Die Ameise fällt weiter in Richtungen Grubenmitte, wo der Ameisenlöwe wartet." Um ihnen die Flucht zusätzlich zu erschweren, werfen Ameisenlöwen zudem oft noch Sand auf ihre Opfer.

Die Forscher beobachteten in ihren Experimenten, dass die Ameisen in etwa zwei Drittel der Fälle aus der Falle entkamen: Bei jedem zweiten Versuch flohen sie über die Grubenränder. In weiteren 15 Prozent sprangen sie mithilfe ihrer Mundwerkzeuge aus der Grube. Als Nächstes klebten die Wissenschaftler einigen Tieren die Mandibeln zusammen, wodurch diese zum Springen unbrauchbar waren. Insgesamt halbierte dies ihre Überlebenschancen im Vergleich zu jenen Artgenossen, deren Mandibeln einsatzbereit waren.

Die Studie zeige, wie ein Merkmal, das für einen bestimmten Zweck verwendet wird, auch für andere Funktionen genutzt werde. "In diesem Fall wird ein Werkzeug, das für den Fang schneller und gefährlicher Beutetiere sehr brauchbar ist, für einen anderen Zweck eingesetzt - um zu entkommen", erläutert Larabee.

science.ORF.at/APA/dpa

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