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Josef Penninger im Labor

Penninger will weg von ÖAW

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Josef Penninger doch nicht nach Deutschland abwandert. Bei einer Pressekonferenz erläuterte er nun seine Beweggründe für den Verbleib in Wien - sowie seine Ablösungspläne von der Akademie der Wissenschaften (ÖAW).

Forschungspolitik 15.05.2015

"Es ist nie um meine Person gegangen", erklärte der Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) vor Journalisten, sondern um die "Wissenschaft dieses Landes."

Die Chronologie der Ereignisse: Penninger war der Chefsessel am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin angeboten worden. Das Wissenschaftsministerium und die Stadt Wien boten daraufhin zusätzliche Millionen in den nächsten Jahren für das IMBA, um den Genetiker in Österreich zu halten.

Im deutschen Forschungsministerium hieß es Dienstagabend, die Findungskommission habe entschieden, die Sondierungen mit Penninger nicht fortzusetzen. Der Grund dafür sei, sagte Penninger nun, dass er die von der Kommission gesetzte Deadline am Dienstag verstreichen habe lassen. "Es war ein aktiver Schritt von mir".

Geld für Jungforscher

Befragt, ob die öffentliche Diskussion über seinen Verbleib bzw. die damit verbundenen Bedingungen der Wissenschaft nicht schade, sagte Penninger: "Ich bin nicht an die Öffentlichkeit gegangen, ich habe mich nie geäußert". Er sei in den vergangenen Jahren von etlichen Headhunters kontaktiert worden.

Berlin sei zwar ein "phantastisches Angebot" gewesen, so Penninger heute im Ö1-Mittagsjournal, allerdings ein Job mit viel Administration. Er sehe sich jedoch als Wissenschaftler. Sein heuer auslaufender Vertrag als IMBA-Direktor sei nun um fünf Jahre verlängert worden. Akademie-Präsident Anton Zeilinger widersprach dem allerdings kurze Zeit später: "Diese Entscheidung wird noch zu treffen sein, und es ist eine Entscheidung, die alleine Sache der ÖAW ist."

22,5 Millionen Euro haben Wien und Bund locker gemacht, damit der Starforscher im Lande bleibt. Zwei Drittel davon kommen laut Penninger vom Wissenschaftsministerium, der Rest von der Stadt Wien. Das Geld wird auf fünf Jahre verteilt ausgeschüttet und soll, so Penninger im Mittagsjournal, nicht seiner Arbeitsgruppe zu Gute kommen, sondern ausschließlich Jungforschern. Ziel sei ein Schwerpunkt im Bereich Stammzellenforschung.

"Vision": ISTA der Biologie?

Bei der Pressekonferenz am IMBA sprach Penninger auch über seine "mittelfristige Vision", am Vienna Biocenter (VBC) ein Zentrum für Lebenswissenschaften zu etablieren. Als Vorbild nannte er das ISTA, das üppig dotierte Institute of Science and Technology Austria in Klosterneuburg.

Dazu sollte man nach seinen Vorstellungen die drei Life Science-Institute der ÖAW (neben dem IMBA das Forschungszentrum für Molekulare Medizin CeMM und das Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie) in eine "Academy of Life Science auslagern" - im Klartext: "operativ und budgetär" von der ÖAW trennen. "Ich möchte mich nicht streiten um dasselbe Geld mit Wissenschaftlern, die Iranistik oder Geschichte machen", so Penninger. Derzeit firmiert das IMBA als GmbH unter dem Dach der Akademie.

Nachdem das unweit des IMBA gelegene Institut für Molekulare Pathologie (IMP) derzeit einen Neubau errichtet, sieht Penninger eine "einmalige Gelegenheit". Dadurch werde ein Forschungsgebäude frei, "um den nächsten Schritt gehen zu können". Auch hier ist Zeilinger gegenteiliger Ansicht: Die Herauslösung der drei Institute "kommt überhaupt nicht in Frage, das ist kein Diskussionspunkt".

science.ORF.at/APA

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