Standort: science.ORF.at / Meldung: "Knapp 30 Prozent der Bienen starben im Winter"

Knapp 30 Prozent der Bienen starben im Winter

Noch nie seit Beginn der Datenerhebung sind in Österreich während des Winters so viele Bienen gestorben: Laut Grazer Forschern überlebten durchschnittlich 28,5 Prozent der Völker von 1.259 teilnehmenden Imkereien den Winter 2014/15 nicht. In ganz Mitteleuropa gebe es ähnliche Zahlen, heißt es.

Bilanz 02.06.2015

Die österreichischen Bienen sind zwar vor einer potenziellen Gefahr geschützt, nachdem der Einsatz von Neonicotinoiden (Clothianidin, Thiamethoxam und Imidacloprid) vom Nationalrat ab Oktober 2013 mittels Teilverbot für drei Jahre untersagt wurde. Die Ursachen für massive Schädigungen der Bienen seien jedoch komplex, schilderte der Bienenexperte Karl Crailsheim gegenüber der APA.

Regionale Unterschiede

Forschungsprojekt:

2014 startete ein von Bund und Ländern und dem Verein "Biene Österreich" mit insgesamt 2,5 Mio. Euro gefördertes Projekt ("Zukunft Biene"), das die Bienengesundheit und den Einfluss der landwirtschaftlichen Produktion, der Imkerei und der Witterung auf Völker- und Bienenverluste erforscht. Die Erhebung der Winterverluste bildet darin einen Aspekt. Auch umfangreiche Probenentnahmen und epidemiologische Untersuchungen sind vorgesehen.

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Über das Bienensterben berichten auch die Nachrichten.

Selbst die Ursachen für die Winterverluste können sich von jenen des restlichen Jahres unterscheiden, so der Apidologe. "Fest steht, dass die Verluste des vergangenen Winters die höchsten Werte seit Beginn unserer Erhebungen im Jahr 2007 sind", betonte der Grazer Forscher.

Bei der Höhe der Verluste seien wiederum "große regionale Unterschiede" erkennbar: Besonders stark waren demnach Bienenvölker in Wien (Verlustrate von 52,6 Prozent), dem Burgenland (40,4 Prozent) und Salzburg (34,8 Prozent) betroffen. In der Steiermark gab es mit einer 22,5-prozentigen Winterverlustrate noch das geringste Schadensausmaß.

Insgesamt haben die Grazer Forscher auf Daten von Imkern mit insgesamt 22.882 Bienenvölker zurückgegriffen, d.h. auf Daten von rund sechs Prozent der österreichweiten Imker und Bienenbestände. "Unsere Ergebnisse sind valid und vergleichbar mit Verlustraten anderer mitteleuropäischer Länder", betonte Crailsheim.

Ungünstige Witterung

Noch im Laufen seien die Auswertungen zum Einfluss der Witterung. Crailsheim machte hier einen möglichen Zusammenhang mit den Verlusten der vergangenen Winters aus: In warmen Wintern verlängere sich die Brutzeit der Bienen. Das begünstige wiederum die Varroamilbe.

Ähnlich interpretierte Josef Stich, Obmann von "Biene Österreich", die Verluste: Die ungünstigen Witterungsbedingungen im Winter 2013/2014 hätten nicht nur die niedrigste Honigernte seit über 30 Jahren zur Folge gehabt, "sie erschwerten außerdem maßgeblich die Bekämpfung der Varroamilbe und den Aufbau ausreichend starker Überwinterungskolonien".

Kaum Vergiftungen

Die Abteilung Bienenkunde und Bienenschutz der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hat Fälle mit Vergiftungsverdacht durch Herbizide, Pestizide und Insektizide - und somit auch den Einfluss der Neonicotinoide - untersucht. Insgesamt seien acht Fälle, welche die Überwinterungsperiode 2013/14 betrafen und 25 Fälle aus der Frühling- und Sommerperiode 2014 analysiert worden. Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam seien in keiner Probe nachweisbar gewesen, was als Indiz für die Wirksamkeit des Verwendungsverbotes gewertet werden können.

In dieser Saison als auch im kommenden Winter sind Probeentnahmen an 200 Bienenvölkern geplant, um Krankheitserreger und Rückstände zu erheben und im Jahr 2016 mit den aufgetretenen Winterverlusten zu vergleichen.

science.ORF.at/APA

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