Standort: science.ORF.at / Meldung: "Mehr Astronomie für weniger Geld"

Rosetta im Anflug zum Kometen Tschurjomow-Gerasimenko

Mehr Astronomie für weniger Geld

Die internationale Finanzkrise wirkt bis heute nach – in Form von Sparzwängen, denen auch die Raumfahrtbehörden unterworfen sind. Auf der "Low-Cost Planetary Mission Conference" in Berlin haben Forscher nun nach günstigeren Möglichkeiten gesucht, das All zu erkunden.

Raumfahrt 10.06.2015

Eine Sparmöglichkeit für Europas Weltraumagentur ESA wäre, mit ihrer Raumsonde Rosetta in die Verlängerung zu gehen. Denn schließlich funktioniere sie bislang hervorragend, findet Alvaro Gimenez , der Direktor für Wissenschaft und robotische Exploration bei der ESA. "Aber wir würden auch gerne die Phase von Tschurjumow-Gerasimenko beobachten, in der sein Schweif wieder abnimmt."

Die Tagung:

Low-Cost Planetary Mission Conference

Ö1 Sendungshinweis:

Dem Thema widmet sich auch ein Beitrag in Wissen aktuell am 9.6.., 13:55 Uhr

science.ORF:at-Schwerpunkt Rosetta-Mission

Dazu müsste Rosetta den Kometen so lange eskortieren, bis er wieder so aktiv ist wie zu dem Zeitpunkt, als sie ihn im letzten Jahr angetroffen hatte. Um diesen vollen Kometenzyklus beobachten zu können, will die ESA die Lebenszeit ihrer erfolgreichen Rosetta-Mission noch in diesem Monat um neun Monate verlängern, bis September 2016.

Diese offiziell noch ausstehende Entscheidung dürfte aber nur Formsache sei. Im kommenden Jahr steht dann eine neue Entscheidung an: Wie soll das Ende von Rosetta aussehen? Ursprünglich war geplant, sie gemeinsam mit dem Kometen wieder in das äußere Sonnensystem ziehen zu lassen. Doch nun erwägt die ESA, sie stattdessen auf dem Kometen landen zu lassen.

Bitte lächeln!

In den kommenden Monaten will die ESA auch über den Bau einer gemeinsamen Raumsonde mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften entscheiden. Die Sonde SMILE (Solarwind Magnetosphere Ionosphere Link Explorer) soll die Wechselwirkung zwischen der Sonne und der Magnetosphäre der Erde untersuchen. "Wir wollen die Nordpolarlichter von oben, aus dem All, beobachten", so Gimenez. Dazu wird SMILE die Erde umkreisen und auf die Aurora blicken, das Ganze aus einem stark elliptischen Blickwinkel, der sie bis hinaus zu einem Drittel der Entfernung zum Mond tragen wird.

Mit dieser kostengünstigen Mission will Europa die neue Zusammenarbeit mit China behutsam angehen. "Sofort eine große, teure Mission zu riskieren, ist nicht unsere Absicht", so der Spanier. "Erst einmal müssen wir diese Kooperation etablieren." 2021 soll dieses günstige Gemeinschaftsprojekt starten.

Guido Meyer, science.ORF.at

Mehr zu diesem Thema: