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Grinsender Schimpanse

Lauthals lachen oder still schmunzeln

Schimpansen nutzen ihr Lachen ähnlich flexibel wie der Mensch. Beim Spielen mit anderen unter vollem Körpereinsatz lärmen sie oft lachend herum - in anderen Situationen grimassieren sie lautlos grinsend. Auch die Muskeln im Gesicht bewegen sich wie die lachender Menschen, wie Forscher berichten.

Schimpansen 11.06.2015

Die Fähigkeit, Mimik unabhängig von Lautäußerungen zu nutzen, gilt als eine Schlüsselkomponente menschlicher Kommunikation: Da Menschen über Gesichtsausdrücke verfügen, die bewusst mit Lauten wie einem Lachen kombiniert werden können, ist ihre Kommunikationspalette vielseitiger. Ob Menschenaffen dazu ebenfalls in der Lage sind oder das Verziehen der Gesichtszüge bei ihnen automatisch mit dem Lachen gekoppelt ist, war bisher unklar.

Die Studie in "PLOS ONE":

"Chimpanzees, Pan troglodytes, Produce the Same Types of ‘Laugh Faces’ when They Emit Laughter and when They Are Silent" von Marina Davila-Ross et al., erschienen am 10. Juni 2015.

Das Team um die Neurowissenschaftlerin Marina Davila-Ross von der Universität Portsmouth beobachtete nun über einen Zeitraum von drei Monaten vier Kolonien von Schimpansen (Pan troglodytes) in der sambischen Wildtierstation Chimfunshi. Davila-Ross beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Evolution des Lachens und leitete etwa eine Studie mit Menschenaffen, die gekitzelt wurden.

Mittel der sozialen Interaktion

Gemeinsam mit Kollegen filmte sie 46 Affen im Alter von zwei bis 35 Jahren in Spielsituationen und wertete die Daten mit "ChimpFACS" aus. Dieses Verfahren zur Beschreibung von Gesichtsausdrücken bei Schimpansen basiert auf dem "Facial Action Coding System" (FACS) für Menschen. Die Affen zeigten demnach 14 Gesichtsausdrücke mit offenem Mund - egal, ob sie lauthals lachten oder stumm grimassierten. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Tiere ihre Mimik flexibel und unabhängig von einer Lautäußerung nutzen.

Zudem beobachteten die Forscher situationsabhängige Unterschiede: Ein von Lauten untermaltes Lachen zeigten die Affen vor allem beim körperlichen Spiel mit Artgenossen sowie als spiegelnde Reaktion auf ein ebenfalls lachendes Gegenüber. Entsprechend gehen die britischen Forscher davon aus, dass lautes Lachen insbesondere in interaktiven sozialen Spielsituationen gezielt eingesetzt wird und hier eine kommunikative Funktion erfüllt. Eine Alternativerklärung sei allerdings, dass in derartigen Situationen die Erregung oder Freude der Schimpansen größer sei, was zu mehr Lauten führe, heißt es in der Studie.

Grundlegendes Sprachinstrument

Die Wissenschaftler untersuchten außerdem die evolutionäre Beziehung zwischen den Gesichtsausdrücken mit offenem Mund beim Schimpansen und beim Menschen. Lachende Schimpansen zeigten drei Bewegungen ihrer Gesichtsmuskeln, die auch für Menschen typisch sind: das Hoch- und Zurückziehen der Mundwinkel, das Öffnen der Lippen und das Senken des Kinns. Einige Tiere zogen zusätzlich die Oberlippe hoch, so dass die Zähne sichtbar wurden - ein Gesichtsausdruck, der ebenfalls vom Menschen bekannt ist.

Insgesamt, so die Forscher, sei das lachende Gesicht des Menschen wahrscheinlich aus dem Minenspiel mit offenem Mund eines Affen-Vorfahren entstanden. Je umfassender soziale Kommunikation wurde, umso mehr habe sich das primitive Lachen in Form und Funktion verändert. "Das Lachen muss nach dem gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Schimpansen eine immer wichtigere Rolle in sozialen Interaktionen bekommen haben - es löste sich von Spielsituationen und wurde zu einem grundlegenden Instrument der Sprache und der emotionalen Intelligenz beim Menschen."

Wie eng die Verwandtschaft von Schimpansen und Menschen ist, machte erst kürzlich eine andere Studie deutlich: US-amerikanische Wissenschaftler berichteten, dass die Affen über die elementaren kognitiven Fähigkeiten verfügen, die für das Kochen von Nahrung notwendig sind: Geduld, Selbstbeherrschung und Motivation. Auch Schimpansen bevorzugen demnach gekochte Speisen und warten sogar darauf, statt lieber sofort ein rohes Nahrungsmittel zu fressen.

science.ORF.at/APA/dpa

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