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Ein Bild zum Tod von Steve Jobs auf einem iPhone

Auch das iPhone brauchte den Staat

In Steve Jobs' Biografie könne man auf Hunderten Seiten lesen, wie genial er doch gewesen sei. Aber kein Wort werde darüber verloren, dass seine Entwicklungen nur mit staatlicher Unterstützung möglich gewesen sind. Darauf machte die Innovationsforscherin Mariana Mazzucato bei einem Vortrag in Wien aufmerksam.

Innovationen 11.06.2015

"Was etwa ein iPhone so smart macht, ist allesamt Technologie, die von der Öffentlichkeit gefördert wurde", sagte die Expertin von der University of Sussex (England) an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Mittwoch.

Etwa das Internet, das Satellitennavigationssystem (GPS), die Batterie- und Displaytechnologie und Mikrochips wären von staatlichen Institutionen wie dem CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) und der NASA (Amerikanische Raumfahrtsbehörde) maßgeblich entwickelt worden.

Staat könnte mehr Selbstvertrauen zeigen

In den Regionen der Welt, wo Innovationen entstehen, die ganze Lebensbereiche verändern, würden die Entwickler während der ganzen Innovationskette vom Staat "sehr aktiv gefördert", so Mazzucato. Etwa im Silicon Valley in Kalifornien und in einigen Gebieten Deutschlands würden nämlich die Grundlagen- und angewandte Forschung, sowie junge Firmen, die Innovationen auf den Markt bringen, finanziell sehr gut unterstützt.

Die Steuerzahler kämen so in den Genuss, für ein Hightech-Gerät oder Medikament doppelt zu zahlen: einmal während der Entwicklung, und schließlich den teuren Preis für das Produkt selbst. Als Antreiber der Entwicklung könne der Staat durchaus mit mehr Selbstvertrauen etwa geringere Preise für Medikamente verlangen, meinte sie.

Die Risiken und Erträge könnten auch sozial aufgeteilt werden, indem die erfolgreichen Firmen beispielsweise angemessene Steuern zahlen, oder über einkommensabhängige Entwicklerkredite, bei denen sie je nach Gewinn unterschiedliche Summen zurückzahlen müssen.

Vorbild NASA

Von vielen Personen würde der Staat als Institution gesehen, die den genialen Erfindern die grundlegenden Bedingungen für ihre Arbeiten bereitzustellen, sich dann aber gefälligst rauszuhalten habe, erklärte Mazzucato. Außer natürlich, es gäbe Dinge einzurenken, wie Umweltprobleme oder zu hohe Marktkonzentrationen in Form von Monopolen.

Auch die Finanzierung der in Bezug auf verwertbare Ergebnisse riskanten Grundlagenforschung würde als Aufgabe des Staats gesehen. Der sollte forschungstechnisch aber radikal anders betrachtet werden, nämlich als jemand, der Innovationsmärkte schafft und formt.

Dafür brauche es auch "missions-orientierte Behörden", wie etwa die NASA. Sie wollte "zum Mond reisen". Heute hat sie als Ziel, "das Leben hier zu verbessern, das Leben nach draußen ausdehnen und Leben da draußen finden", und konzentriere sich nicht nur darauf, Raketentechnologie zu forcieren, Raumfahrtsanzüge zu entwickeln und die Schwerelosigkeit zu simulieren.

Die Staaten würden aber oft Agenturen gründen, um "die Lebenswissenschaften voranzutreiben", "grüne Technologien auszubauen" oder Ähnliches. "Da frage ich mich dann immer: Was machen die dann tatsächlich?", so die Innovationsforscherin.

science.ORF.at/APA

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