Standort: science.ORF.at / Meldung: "Europäisch-arabisches Online-Museum gestartet"

Interview with Mehemet Ali in his Palace at Alexandria 1839; David Roberts / Louis Hague Litograph, veröffentlicht 1849

Europäisch-arabisches Online-Museum gestartet

Das Verhältnis von Europa zum arabischen Raum ist zurzeit nicht das beste. Wie es im 19. Jahrhundert ausgesehen hat, zeigt ein neues Online-Museum. Ziel sei es, "das Verhältnis der Völker zu verbessern", so die Proponenten.

Geschichte 11.06.2015

Das Museum sei ein "politisches Instrument abseits von gegenwärtigen politischen Geschehnissen", erklärte Eva Schubert, die Präsidentin des Vereins "Museum With No Frontiers" (MWNF), am Donnerstag im Kunsthistorischen Museum Wien (KHM). Der MWNF hat dort das virtuelle Museum "Sharing History. Arab World - Europe 1815-1918" mit seinen 4.630 Objekte präsentiert.

Brücke zwischen Europa und Osmanischem Reich

Der Zeitraum von 1815 bis 1918 wurde bewusst gewählt, um eine Brücke zwischen Europa und den Mittelmeerländern zu spannen. 1815 markierte den Beginn des Zerfalls des Osmanischen Reiches in Europa und 1918 das Ende des Ersten Weltkriegs.

Besonders wichtig ist dabei laut Schubert der interkulturelle Aspekt der Ausstellung. Deshalb musste auch sämtliches in der Ausstellung vorkommendes Material "sowohl interkulturelle als auch transnationale" Konnotation ausweisen. Viele Inhalte des Museums geben demnach gesondert aus arabischer, ottomanischer und europäischer Sichtweise Aufschlüsse über geschichtliche und gesellschaftspolitische Geschehnisse aus der Zeit.

"Sharing History" sei demnach "die einzige Plattform, die Geschichte in dieser Form" zeige, auch wenn dies bedeute, dass es eine "Reihe von widersprüchlichen Präsentationen" gibt, so die MWNF-Vorsitzende.

Interview with Mehemet Ali in his Palace at Alexandria 1839; David Roberts / Louis Hague Litograph, veröffentlicht 1849

Sharjah Museums Department, Sharjah, Vereinigte Arabische Emirate

Gespräch mit Mohammed Ali in seinem Palst in Alexandria 1839 (David Roberts / Louis Hague Litograph, veröffentlicht 1849)

"Zeit der Missverständnisse"

Die geschichtlichen Inhalte kamen dabei nicht nur von den über 92 beteiligten Instituten, sondern auch aus dem Bildungskanon der jeweiligen Länder, um verschiedene Perspektiven zu zeigen. Weiters zeigt die Ausstellung Erfindungen, Reformen, Migration, Kunst und Kultur sowie urbane Entwicklungen und Handel aus dem langen 19. Jahrhunderts. Das Material soll dabei nicht nur Geschichtsinteressierten und Studenten, sondern auch Schülern der Sekundarstufe mittels Handbüchern für Lehrer zugänglich gemacht werden.

Laut dem Botschafter der Arabischen Liga, Wael al-Asad, sei angesichts der herrschenden "medialen Stereotypisierung" das Museum ein großer Schritt, "in dieser Zeit der Missverständnisse den Dialog zwischen der arabischen Welt und dem Rest der Welt zu stärken" und das "gemeinsame Erbe" von Europa bis zum Mittelmeer besser zu verstehen. "Nicht nur interessierte Menschen, sondern auch solche Muslime, die nicht mehr reisen können, sollen so Zugang zu islamischer Kunst bekommen."

Stereotype gegenseitig aufbrechen

Auf Nachfrage der APA, wie dieser Blick in die Vergangenheit helfen könne, die aktuell breite kulturelle und ideologische Spalte zwischen westlicher Welt und nahem Osten zu überbrücken, betonten Schubert und Al-Asad, dass das Online-Museum lediglich zum Dialog anregen soll und verwiesen auf "andere Plattformen", die für diese Problematik geeigneter seien. Hauptsächlich gehe es laut Botschafter Al-Asad darum, "beide Perspektiven auf das konfliktgeprägte 19. Jahrhundert" zu zeigen, nicht nur die westlich-europäische, sondern auch die des Orients.

Al-Asad räumte ein, dass aktuelle Probleme wie Frauendiskriminierung, international kritisierte Urteilsvollstreckungen und die Todesstrafe sehr wohl Dinge seien, mit denen die arabische Welt noch zu kämpfen habe. Jedoch ginge es auch darum, im Rest der Welt "Stereotypen aufzubrechen und Horizonte zu erweitern", denn "erst wenn man den Reichtum einer Kultur besser versteht, kann man diese auch respektieren".

science.ORF.at/APA

Mehr zu dem Thema: