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Künstlerische Darstellung des neptungroßen Exoplaneten GJ 436b

Exoplanet sieht aus wie ein Komet

Aus einem Exoplaneten der Größe Neptuns entweicht eine riesige Wasserstoffwolke, die ihn wie einen riesigen Kometen aussehen lässt. Die Entdeckung könnte laut Forschern vielversprechend für die Suche nach bewohnbaren Planeten sein.

Kosmos 25.06.2015

"Diese Wolke ist sehr spektakulär", sagte David Ehrenreich, Astrophysiker an der Universität Genf, in einer Mitteilung. "Es scheint fast so, als heize die Strahlung des Sterns die Atmosphäre erst auf, wodurch der Wasserstoff verdampft, dann aber zu schwach sei, um die Wolke wegzublasen, die sich um den Planeten herum gebildet hat."

Wolke aus Wasserstoff

Die Studie in "Nature":

"A giant comet-like cloud of hydrogen escaping the warm Neptune-mass exoplanet GJ 436b" von David Ehrenreich et al., erschienen am 25. Juni 2015.

Der Exoplanet GJ436b - also ein Planet außerhalb unseres Sonnensystems - hat etwa 23-mal die Masse der Erde. Er umkreist seinen Stern in nur drei Tagen und besitzt eine Atmosphäre, die riesige Spuren von Wasserstoff zurück lässt. So ein "Kometenschweif" sei bereits bei einigen sehr großen und heißen Exoplaneten beobachtet worden, jedoch noch nie in diesem Ausmaß.

Den Astronomen war es gelungen, den Schatten der Wolke zu beobachten, wenn sie vor dem Stern vorbeizieht. Sie besteht hauptsächlich aus Wasserstoff und absorbiert das vom Stern ausgestrahlte UV-Licht. Von der Erde aus ist die Wolke nicht zu sehen, wohl aber mit den empfindlichen UV-Instrumenten des Weltraumteleskops Hubble.

"In den sichtbaren Regionen sieht man nur den Schatten eines Planeten, der etwa viermal so groß ist wie die Erde", sagte Ehrenreich. "Durch die Hubble-Instrumente verwandelt sich der Exoplanet in ein wahres Monster und ist sehr viel größer als sein Stern."

Ferne Zukunft der Erde

Der Exoplanet ist vor einigen tausend Jahren entstanden und hat seitdem etwa zehn Prozent seiner Atmosphäre verloren. Eine solche Verdampfung könnte laut den Forschern das vollständige Verschwinden der Atmosphären bei bestimmten steinigen Exoplaneten erklären.

Diese Art der Beobachtung sei sehr vielversprechend für die Suche nach bewohnbaren Planeten, erklärte Mitautor Vincent Bourrier von der Universität Genf. Denn so könnte Wasserstoff aus dem verdunstenden Meerwasser von leicht heißeren erdähnlichen Planeten als unserer Erde aufgespürt werden. Das Phänomen könnte außerdem das Verschwinden von Wasserstoff außerhalb der Atmosphäre unserer Erde erklären, da dieses Element dort vor mehr als vier Milliarden Jahren reichlich vorhanden war.

In ferner Zukunft könnte die Erde dann selbst wie GJ436b aussehen: In etwa drei oder vier Milliarden Jahren wird sich unsere Sonne in einen roten Giganten verwandeln. Astrophysiker nehmen an, dass sich unser Planet in einen riesigen Kometen mit Schweif verwandeln könnte.

science.ORF.at/APA/sda

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