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Ein Tiger schaut in die Kamera

Tiger: Nur zwei statt neun Unterarten

Die meisten Unterarten des Tigers sind einander laut Genalaysen viel ähnlicher als bisher angenommen. Forscher empfehlen daher, die Tiere nur noch in zwei statt neun Unterarten einzuteilen.

Biodiversität 26.06.2015

"Wirklich klar unterscheidbar sind nur der Sunda-Tiger von den Inseln Sumatra, Java und Bali und der Festland-Tiger", sagt Andreas Wilting vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Das habe weitreichende Folgen für den Artenschutz: "Weltweite Schutzmaßnahmen und Erhaltungszuchtprogramme können nun flexibler und effektiver umgesetzt werden".

Wilting hatte mit seinen Kollegen Daten zum Aufbau von über 200 Schädeln sowie die Zeichnung von über 100 Fellen mit Erbgut und Ökologie der neun Unterarten abgeglichen. "Die bisherige Einteilung der Tiger ist nicht mehr haltbar", lautet sein Resümee. Die Analyse wird im Fachjournal "Science Advances" vorgestellt.

Massensterben vor 73.000 Jahren

Die Untersuchung stütze zudem die Theorie, dass es nach einem gewaltigen Ausbruch des Toba-Vulkans auf der Insel Sumatra vor etwa 73.000 Jahren zu einem Massensterben von Tigern kam. "Vermutlich haben nur Tiere in einem einzigen Refugium in Südchina überlebt und sich von dort ausgebreitet. Diese Tiere könnten die Vorfahren aller modernen Tiger gewesen sein", so Wilting.

Wilderei und illegale Abholzung lassen die Zahl der Tiere weltweit schrumpfen. Vor 100 Jahren gab es noch etwa 100.000, heute leben weniger als 4.000 Tiger in den Waldgebieten Asiens. Von den neun bisher angenommenen Unterarten gelten drei bereits als ausgestorben. Tigerprodukte werden vor allem in der traditionellen asiatischen Medizin nachgefragt.

Aufgrund der kleinen und weiter schrumpfenden Bestände werde ein aktives Naturschutz-Management für die Tiere immer wichtiger, sagt Wilting. Eine Einteilung in zu viele, wissenschaftlich nicht begründbare Unterarten reduziere dabei unnötig den Handlungsspielraum.

"Eine Schlussfolgerung aus der Studie ist, dass die Bedrohung für einzelne Tigerunterarten sinkt, wenn mehr Tiger zu dieser Unterart gehören", sagt Volker Homes, Leiter für den Bereich Artenschutz beim WWF. Dies dürfe ihm zufolge aber nicht dazu führen, dass Staaten die Verantwortung beispielsweise an Nachbarn abschieben, weil dort ja genetisch ähnliche Tiger leben.

Indonesien und Malaysia tatenlos

In einigen Ländern sei der Tigerschutz heute sehr gut ausgebaut, wie in Nepal, Indien und Russland. "Dort wächst die Anzahl der Tiger", sagte Homes. Indonesien und Malaysia zählten ihre Großkatzen hingegen noch nicht einmal.

Das sei eine ganz bequeme Haltung: "Wenn man nicht weiß, wie viele Tiger man hat, weiß man auch nicht, wie schnell die Bestände abnehmen". In Kambodscha, Laos und Vietnam seien die Tiere weitgehend ausgestorben. Thailand und Myanmar hätten Potenzial, die Bestände schnell zu vergrößern.

Anfang des Jahres hatte die indische Regierung gemeldet, dass die Zahl der Tiger im Land in den vergangenen Jahren um fast ein Drittel gestiegen ist. Mehr als 2200 der Raubkatzen wurden demnach für den jüngsten Tigerbericht gezählt. In Indien lebt ein großer Teil der weltweiten Tigerpopulation.

science.ORF.at/dpa

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