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Herzförmige Struktur auf dem Pluto

Erste Signale und ein Herz

Nach mehr als neun Jahren und fünf Milliarden Kilometern hat mit der NASA-Sonde "New Horizons" erstmals ein irdischer Flugkörper den Zwergplaneten Pluto besucht. Per Signal bestätigte die Sonde in der Nacht auf Mittwoch (MESZ) den Erfolg der Mission. Erste scharfe Bilder zeigen eine herzförmige Struktur auf dem Pluto.

"New Horizons" 15.07.2015

"Wir haben ein gesundes Raumschiff", sagte NASA-Managerin Alice Bowman nach dem Empfang des Signals unter spontanem Jubel und Applaus in der Kontrollstation in Laurel im US-Bundesstaat Maryland. "Alles ist so, wie wir es geplant und geübt haben."

"Das war erst der Anfang"

US-Präsident Barack Obama lobte den Vorbeiflug auf Twitter als "großen Tag für Entdeckungen und amerikanische Führungsstärke". NASA-Chef Charles Bolden sprach bei einer Pressekonferenz von einem "unglaublichen Meilenstein" und einem "historischen Novum".

Das "New Horizons"-Team habe Geschichte geschrieben, sagte auch NASA-Manager John Grunsfeld. Die eigentliche Arbeit gehe jetzt aber erst los. "Noch haben wir gar nichts gesehen, das war erst der Anfang."

Das bisher beste Bild des Pluto

Schon knapp vor dem "Minimalabstand" hat die Sonde ein Bild des Zwergplaneten mit einer bisher unerreichten Auflösung geliefert. Es wurde in einer Entfernung von rund 768.000 Kilometern gemacht und zeigt unterschiedliche Farbregionen – ein Hinweis auf etwaige tektonische und atmosphärische Aktivitäten des Pluto, wie NASA-Manager Alan Stern vermutet.

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Pluto aufgenommen von "New Horizons"

NASA

Das aktuelle Plutobild

Mit etwas Fantasie kann man unter den unterschiedlichen Farbflecken auch eine Herzform entdecken. Sie ist rund 1.600 Kilometer lang und grenzt an dunklere Regionen am Plutoäquator. Das Innere des "Herzens" scheint relativ ebenmäßig zu sein - Bilder mit höherer Auflösung, die in den nächsten Tagen folgen, könnten diesen Eindruck widerlegen.

Ihre wissenschaftliche Auswertung wird bis zu 16 Monaten dauern. Das liegt nicht zuletzt an der geringen Übertragungsrate der Daten: Mehr als vier Kilobits pro Sekunde sind nicht zu erzielen - ein Bruchteil handelsüblicher Handys auf der Erde. Trotz Lichtgeschwindigkeit brauchen die Informationen rund viereinhalb Stunden bis zu unserem Planeten.

Warten auf die Daten

Die Daten, die die Sonde während des Vorbeiflugs gesammelt hat, sollen nun nach und nach an die Erde gesendet und ausgewertet werden. Ein erstes Sendezeitfenster ist bereits für Mittwoch geplant. "Das wird mehrere Stunden dauern und dürfte sehr interessant werden - ein Wasserfall an Daten", sagte NASA-Manager Alan Stern.

Falschfarbenbilder von Pluto und seinem Mond Charon, aufgenommen einen Tag vor dem Minimalabstand

NASA/APL/SwRI

Falschfarbenbilder von Pluto und seinem Mond Charon, aufgenommen einen Tag vor dem Minimalabstand

Die 700 Millionen Dollar (634 Mio. Euro) teure "New Horizons"-Mission gilt als Meilenstein der Raumfahrtgeschichte. Die etwa klaviergroße und rund 500 Kilogramm schwere Sonde näherte sich dem Pluto auf rund 12.500 Kilometer und untersuchte ihn mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten, während sie mit 50.000 Kilometern pro Stunde an dem Zwergplaneten vorbeiraste.

Der etwa minus 230 Grad kalte Pluto ist eine Art Eiszwerg, wie sie zu Zigtausenden bei der Entstehung des Sonnensystems übrig geblieben sind und seitdem den Kuipergürtel bilden.

Durchmesser von 2.370 Kilometern

Schon vorab hatten Astronomen die exakte Größe von Pluto ermittelt: Mit einem Durchmesser von 2.370 Kilometern ist der Zwergplanet etwas größer als bisher angenommen. "Über die Größe des Pluto wurde seit seiner Entdeckung 1930 diskutiert", sagte der US-Astronom Bill McKinnon von der Washington University. "Wir freuen uns, das ad acta legen zu können." Auch Charon hat nun eine exakte Größe: Mit einem Durchmesser von 1.208 Kilometern ist er etwa halb so groß wie Pluto selbst.

Größenvergleich von Erde, Pluto und Charon

NASA

Größenvergleich von Erde, Pluto und Charon

Seine mangelnde Größe hatte Pluto 2006 seinen Status als Planeten gekostet. Jahrzehntelang wurde er zu den damals neun großen Planeten des Sonnensystems gezählt, dann stufte ihn die Internationale Astronomische Union zum Zwergplaneten herunter. Während die nunmehr noch acht Planeten unseres Sonnensystems allesamt bereits das Ziel von Raumsonden waren, hat Pluto nun zum ersten Mal Besuch von der Erde erhalten.

science.ORF.at/dpa/AFP

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