Standort: science.ORF.at / Meldung: "Ursprung der Hühnerhaltung in der Levante"

Der Kopf eines Huhns in Großaufnahme

Ursprung der Hühnerhaltung in der Levante

Gegrillte, gekochte oder gebackene Hühner stehen heute fast in ganz Europa auf der Speisekarte. Die Idee dazu dürfte aus dem östlichen Mittelmeer-Raum stammen: Das legen die Funde 2.300 Jahre alter Hühnerknochen aus der israelischen Stadt Marescha nahe.

Landwirtschaft 20.07.2015

Von Israel und dem Rest der südlichen Levante habe sich dann die landwirtschaftliche Hühnerhaltung bis nach Europa verbreitet. Zuvor waren die Tiere, die bereits im 6. Jahrtausend vor Christus in Asien domestiziert worden waren, außerhalb ihrer Heimat in erster Linie als Exoten für Hahnenkämpfe oder rituelle Zwecke gehalten worden.

Ursprünglich aus Ostasien

Das Haushuhn (Gallus gallus domesticus) stammt von einem südostasiatischen Wildhuhn ab, dem Bankivahuhn (Gallus gallus). Nach seiner Domestizierung gelangte das Huhn über seinen natürlichen Verbreitungsraum hinaus. Funde von Hühnerüberresten an archäologischen Stätten lassen vermuten, dass es zunächst ab etwa dem 3. Jahrtausend vor unserer Zeit nach Westasien und in den Nahen Osten gelangte, dann unter anderem in die Levante und etwa im 9. oder 8. Jahrhundert vor Christus schließlich nach Europa.

Allerdings beschränken sich die Funde aus diesem Zeitraum auf einige wenige Knochen und andere Überreste. Sie machten selten mehr als drei Prozent der gesamten tierischen Fundstücke aus. Die Forscher um Lee Perry-Gal von der University of Haifa (Israel) fragten sich deshalb: Wann wurden die Hühner außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes nicht mehr nur als exotische Art für rituelle oder symbolische Zwecke gehalten? Wo wurden sie zuerst zu einem wichtigen Bestandteil der Viehhaltung in den europäischen und den Mittelmeerländern?

Die Studie:

"Earliest economic exploitation of chicken outside East Asia: Evidence from the Hellenistic Southern Levant" von Lee Perry-Gal und Kollegen ist am 20. Juli 2015 in den "Proceedings" der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften erschienen.

Lee Perry Gal bei der Untersuchung der Hühnerknochen im Labor

Lee Perry Gal

Lee Perry Gal bei der Untersuchung der Hühnerknochen im Labor

Fleisch und Eier

In Marescha (Marissa), eine an einer traditionellen Handelsroute gelegene historische Stadt im heutigen Israel, fanden die Wissenschaftler dann außergewöhnlich viele Hühnerknochen. Sie machten fast 30 Prozent der gesamten tierischen Überreste aus und wurden auf das Ende des vierten Jahrhunderts vor Christus datiert.

Darunter waren besonders viele Knochen von weiblichen Tieren. Das lasse vermuten, dass die Hühner unter anderem wegen ihrer Eier gehalten worden waren. Tatsächlich belegten die Knochenfunde eierlegende Hennen.

Weiters fanden die Forscher Schnittspuren an den Knochen, die auf eine Schlachtung der Hühner hinweisen. Nur wenige Knochen waren verbrannt. Die Tiere waren zum Verzehr wohl nicht gebraten worden.

Schnittspuren an den Knochen

Anat Regev Gisis

Schnittspuren an den Knochen

Europa folgte 100 Jahre später

Schließlich analysierten die Forscher das Vorkommen von Hühnern an mehr als 200 weiteren historischen Stätten in der südlichen Levante. Sie fanden einen sprunghaften Anstieg an Überresten in der hellenistischen Periode, die von 336 bis 30 vor Christus dauerte.

"Wir nehmen an, dass die allmähliche Anpassung der Hühner an das Klima in der südlichen Levante und die stetige Integration in die lokale Wirtschaft ein entscheidender Schritt für die Aufnahme dieser Art in die europäische Tierzucht etwa 100 Jahre später war", schreiben die Forscher.

Sie verweisen auf andere Wissenschaftler, die vermutet hatten, dass die Hühner in der Levante nach und nach die Schweine als vorherrschende Haustierrasse verdrängten. Hühner verbrauchten weniger Wasser und seien leichter zu transportieren. Sie stellten eine kompakte, tragbare und pflegeleichte Fleischpackung dar, die auch über Eier verlässlich Protein liefere.

science.ORF.at/APA/dpa

Mehr zum Thema: