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Nebel über dem Zwergplaneten Pluto

Gletscher und Nebel auf Pluto

Die Daten der Raumsonde "New Horizons" zeichnen ein immer vielfältigeres Bild von Pluto. Neueste Bilder deuten auf die Existenz von Gletschern hin - und sie weisen dichte Nebelschwaden auf dem Zwergplaneten nach.

"New Horizons" 27.07.2015

"Mir stand der Mund offen, als ich dieses Foto gesehen habe", sagte Missionsleiter Alan Stern. Die eine Nebelschicht liege rund 80 Kilometer über dem Zwergplaneten, die andere rund 50 Kilometer.

Chemische Bausteine des Lebens?

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Diesem Thema widmet sich auch ein Beitrag in "Wissen aktuell", 27.7.2015, 13:55 Uhr.

Selbst in 130 Kilometern Höhe gebe es vereinzelt noch Nebelfelder, dabei hatten Wissenschaftler eigentlich gedacht, dass es in mehr als 30 Kilometern Höhe über dem Pluto zu warm für Nebel sein müsste. "Die entdeckten Nebel auf dem Bild sind ein Schlüsselelement für die Entstehung von komplexen Kohlenwasserstoffen, die Plutos Oberfläche ihren rötlichen Farbton geben", sagte Michael Summers von der George Mason University in Fairfax bei einer Pressekonferenz. Kohlenwasserstoffe sind eine Grundlage für Leben.

Nach Modellrechnungen können sich die Nebel formen, wenn das relativ einfach aufgebaute Gas Methan durch Sonnenlicht aufgespalten wird und damit die Entstehung der etwas größeren kohlenstoffhaltigen Moleküle Ethen und Ethin fördert.

Diese hat "New Horizons" ebenfalls in der Plutoatmosphäre nachgewiesen. Wenn sie in kältere Schichten der Atmosphäre fallen, können sie laut Nasa zu Eisteilchen frieren und so den Nebel bilden. Schließlich könnten mit Hilfe der Sonnenstrahlen noch komplexere Moleküle, sogenannte Tholine, entstehen. "Wir brauchen ein paar neue Ideen, um herauszufinden, was da los ist", sagte Nasa-Forscher Michael Summers.

Gletscher und Methaneis

Gletscher auf Pluto

NASA/JHUAPL/SwRI

Die "Sputnik-Ebene" auf Pluto: Hier könnte es bewegliche Gletscher geben.

Zudem entdeckten die Nasa-Forscher in einer hellen herzartigen Struktur auf Pluto noch Hinweise auf ehemals fließende Eisschichten. Die Forscher wollen nicht ausschließen, dass sie immer noch in Bewegung sind.

Zugleich wurden dort auch große Mengen an Stickstoff-, Kohlenmonoxid- und Methaneis entdeckt. Bei den tiefen Temperaturen von etwa minus 230 Grad Celsius könnten diese fließen, ähnlich wie Gletscher, sagte Bill McKinnon von der Washington University in St. Louis.

Nach mehr als neun Jahren und fünf Milliarden Kilometern war "New Horizons" Mitte Juli als erster irdischer Flugkörper am Pluto vorbeigeflogen und hatte ihn mit sieben wissenschaftlichen Instrumenten untersucht. Bis alle beim Vorbeiflug aufgenommenen Daten und Fotos zur Erde geschickt sind, wird es noch 16 Monate dauern.

science.ORF.at/dpa

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