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Vernagtferner in den Ötztaler Alpen, aufgenommen am 28.5.2015

Gletscherschwund erreicht Rekordwert

Die Gletscher weltweit schmelzen seit Beginn des 21. Jahrhunderts im Rekordtempo. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des "World Glacier Monitoring Service" mit Sitz an der Universität Zürich.

Bilanz 03.08.2015

"Die Eisdicke der beobachteten Gletscher nimmt derzeit jedes Jahr zwischen einem halben und einem ganzen Meter ab, das ist zwei- bis dreimal mehr als der entsprechende Durchschnitt im 20. Jahrhundert", sagt Studienautor Michael Zemp.

Seine Prognose: Gletscher in verschiedenen Regionen der Welt seien so stark aus dem Gleichgewicht geraten, dass sie auch ohne fortschreitenden Klimawandel weiter Eis verlieren werden.

Besonders stark betroffen ist demnach zum Beispiel die Alpenregion. "Der Aletschgletscher hat sich um mehrere Kilometer zurückgezogen", sagte Zemp. Auch der Morteratschgletscher habe stark an Masse verloren. In Alaska sind die Gletscher Gulkana und Lemon Creek Beispiele für massiven Schwund.

Nicht jeder Gletscher schrumpft

Hauptursache für die Gletscherschmelze sind Zemp zufolge die steigenden Temperaturen. Doch es schrumpft nicht jeder Gletscher. Manche wachsen sogar. Diese Wiedervorstöße seien regional und zeitlich begrenzt, schreiben die Autoren der Studie. Außerdem erreichten die Gletscher nicht die Ausmaße während der kleinen Eiszeit zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert.

Ein Beispiel hierfür seien die norwegischen Gletscherzungen. Sie haben sich seit dem 19. Jahrhundert um einige Kilometer zurückgezogen. Doch an der Küste seien die Gletscher in den 1990er Jahren vorübergehend um wenige hundert Meter länger geworden. "In den 90ern gab es dort mehr Winterschnee", sagte Zemp. Das habe den Gletscherschwund kurzzeitig kompensiert. "Aber ab 2000 war das vorbei."

Die Studie basiert auf einem Gletscherregister, das seit mehr als einem Jahrhundert weltweit Daten sammelt. Rund 47.000 Informationen über 2.300 Gletscher sind verfügbar, einige davon gehen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die Daten stammen aus Beobachtungen am Boden, aus der Luft und dem Weltraum. Das Netzwerk des Registers erstreckt sich auf 36 Länder und Tausende Beobachter. Die entsprechende Studie wurde im "Journal of Glaciology" vorgestellt.

science.ORF.at/dpa

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