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Die zerklüftete Oberfläche des Kometen "Tschuri"

"Tschuri" wird aktiv

Am 13. August erreicht der Komet "Tschuri" mit einer Entfernung von 186 Millionen Kilometern seinen nächsten Punkt zur Sonne. Die steigenden Temperaturen verändern den fernen Himmelskörper: "Tschuri" stößt Gas aus und wirbelt dabei jede Menge Staub auf.

Kosmos 06.08.2015

Diese Phase ist für die europäische Raumfahrtagentur Esa ein wichtiger Moment: Seit elf Jahren ist die Raumsonde "Rosetta" im All, sie hat den kühlschrankgroßen Landeroboter "Philae" huckepack zum Kometen gebracht. Der landete am 12. November 2014 in einer spektakulären Aktion auf der Oberfläche. "Rosetta" blieb in der Nähe von "Tschuri" - mit fast einem Dutzend Instrumenten an Bord. Sie soll den Kometen gerade in der Zeit seiner Sonnennähe beobachten.

Es wird heißer

Laut "Rosetta"-Flugdirektor Andrea Accomazzo dürfte die Aktivität des Kolosses, der aus Gestein, Eis und Staub besteht, im September 2015 am größten sein - also erst nach dem sonnennächsten Punkt. "Die Erwärmung von "Tschuri" dauert ein bisschen", meint der 45-Jährige in Darmstadt, von wo aus "Rosetta" gesteuert wird. Dass es "Tschuri" zu heiß werden könnte und er auseinanderbricht, hält Accomazzo für "sehr unwahrscheinlich".

Oberflächendetail von "Tschuri"

ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Die Oberfläche des Kometen - Aufnahme aus 60 Kilometer Entfernung

Die Nähe zur Sonne sei auch für "Rosetta" kein Problem, meint der Flugdirektor. Zu "Tschuri" werde die Raumsonde aber vorsichtshalber einen Sicherheitsabstand von voraussichtlich mindestens etwa 200 Kilometern einhalten. "Rosetta" muss wegen der Gas- und Staubentwicklung des Kometen vorsichtig sein. Durch den Kometenstaub hatte die Raumsonde im April vorübergehend Probleme mit der Orientierung.

Kontakt zu "Philae" instabil

Der größere Abstand von "Rosetta" zu "Tschuri" schmälere die Chancen für eine gute Verbindung zu "Philae", sagt der "Philae"-Projektleiter am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Stephan Ulamec. Es gebe keine verlässliche und stabile Verbindung. "Das ist das Hauptproblem", sagt Ulamec. Deshalb können die Forscher dem Roboter keine Kommandos für Experimente geben.

Woran liegt das? Durch die außerplanmäßige Landung an einem schattigen Ort war es eigentlich zu kalt für die Elektronik, sagt Ulamec. "Sie hat es trotzdem überlebt. Aber es kann sein, dass es zu thermischen Spannungen kommt und Kontakte brechen und es jetzt zu einer Art Wackelkontakt kommt." Aber das ist nur eine Annahme. "Philae" hatte sich zuletzt am 9. Juli gemeldet und in erster Linie Informationen über seinen eigenen Zustand geliefert.

Die DLR-Forscher wollten von dem Landeroboter Bilder von dem Gelände bekommen, um zu sehen, ob sich die Umgebung seit der Landung im November verändert hat. Sie wollen organische Gase messen, die Temperatur, weitere Daten zur inneren Struktur nehmen. "Philae" soll vor Ort das Kometenmaterial - das wohl ursprünglichste und älteste Material des Sonnensystems - analysieren und damit einen Blick in die Kinderstube des Sonnensystems erlauben. Zwei Monate bleiben noch. "Im Oktober, November sind wir so weit von der Sonne entfernt, dass keine Chance mehr besteht, den Lander zu aktivieren", sagt der DLR-Mann.

2016: Scharfe Fotos und Landemanöver

Spannend wird es trotzdem bleiben. "Nächstes Jahr werden wir uns mit "Rosetta" wieder deutlich näher an "Tschuri" heranwagen können", sagt Esa-Flugdirektor Accomazzo, was schärfere Fotos ermögliche. "Dann sehen wir, was sich auf seiner Oberfläche verändert hat. Das ist genau das, was wir wollen." DLR-Kollege Ulamec hofft auch, dass man auf den Bildern "Philae" erspähen kann. "Dann sehen wir, was los ist mit dem Lander", in welchem Gelände er steht und in welcher Situation.

Das Ende der "Rosetta-Mission ist für September 2016 geplant - nach zwölfeinhalb Jahren im All und rund 7,9 Milliarden Kilometern Strecke. Dann hat "Rosetta" ausgedient. Die Sonde soll sich auf "Tschuri" niederlassen und nach der Landung - wie ursprünglich auch "Philae" - Signale zur Erde senden. Die Chancen dafür seien zwar nicht unbedingt groß, meinte Accomazzo. "Aber wir werden es versuchen."

science.ORF.at/dpa

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