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Oberfläche von Tschuri

"Tschuri" kam der Sonne am nächsten

In der Nacht auf Donnerstag war es so weit: Der Komet "Tschuri" erreichte seinen geringsten Abstand zur Sonne. Und das hat Folgen: Schon in den vergangenen Wochen wurde es auf seiner Oberfläche immer wärmer – weshalb "Tschuri" immer mehr Gase, Staub und Dampf ausstößt.

Astronomie 13.08.2015

Vor rund zwei Wochen beobachtete die europäische Weltraumsonde "Rosetta", die den Kometen umkreist, seinen bisher heftigsten Gasausstoß. "Er war so stark, dass sogar der Sonnenwind aus der näheren Umgebung des Kometen von der Gasblase herausgedrängt wurde", erklärt Wolfgang Baumjohann vom Institut für Weltraumforschung in Graz gegenüber Ö1.

Der Sonnenwind ist ein Fluss elektrisch geladener Teilchen, die von der Sonne wegströmen und das Magnetfeld der Sonne ins Sonnensystem hinaustragen. Messungen von "Rosetta" und seiner Landeeinheit "Philae" haben gezeigt, dass der Komet kein eigenes Magnetfeld hat – der Sonnenwind ist also die einzige Quelle dafür.

Das vom Kometen ausgespuckte elektrisch geladene Gas- und Staubgemisch hat den Sonnenwind daran gehindert, bis zum Kometen vorzudringen und rund um ihn ist daraufhin eine magnetfeldfreie Blase entstanden. Mit dem in der Raumsonde eingebauten Messgerät "RPC-MAG", an dessen Entwicklung das IWF beteiligt war, konnte das Magnetometer-Team die Abläufe analysieren.

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Über das Thema berichteten auch die Ö1 Journale, 12.8., 18 Uhr.

Von "Rosetta" aufgenommener Gasausbruch auf "Tschuri" vom 29. Juli

ESA/Rosetta/MPS for OSIRIS Team MPS/UPD/LAM/IAA/SSO/INTA/UPM/DASP/IDA

Von "Rosetta" aufgenommener Gasausbruch auf "Tschuri" vom 29. Juli

Nun steht der Staub im Mittelpunkt

"Tschuri" ist am Donnerstag, dem 13. August, um 4.03 Uhr der Sonne am nächsten gekommen. Er war rund 185 Millionen Kilometer von dem Gestirn entfernt.

In den kommenden Tagen und Wochen ist daher mit weiteren größeren Ausbrüchen zu rechnen. Zu solchen Ereignissen kommt es, wenn Eis unter der Kometenoberfläche, auf der am 12. November 2014 "Rosetta" die Landeeinheit "Philae" abgesetzt hat, schmilzt. Werden dort Wasser, Kohlendioxid und andere Verbindungen in Dampf umgesetzt, baut sich in Höhlen großer Druck auf. Wird dieser zu hoch, bilden sich Bruchstellen und Gas und Staub strömen aus.

Genau dieser Staub soll in den nächsten Wochen nun so genau wie möglich untersucht werden. Jener auf der Oberfläche des Kometen wurde schon analysiert. "Er sah letztendlich so aus, wie der unterm Sofa – sehr flauschig", sagt Wolfgang Baumjohann. "Aber was jetzt aus 'Tschuri' strömt, sind Staubpartikel oder Staubzusammenballungen aus seinem Inneren. Und dabei handelt es sich letztlich um das ursprüngliche Material, aus dem auch die Planeten und Monde entstanden sind." Die Astronomen wollen das Material nicht zuletzt deshalb untersuchen, um Hinweise auf mögliche organische Moleküle zu finden.

In nächster Zeit wird sich der Komet immer mehr aufheizen und damit auch mehr "zu stauben" beginnen. Der Höhepunkt wird laut Baumjohann im September erreicht sein, danach wird "Tschuri" wieder kälter und damit inaktiver.

Lukas Wieselberg, science.ORF.at/Interview: Katja Winkler, Ö1 Wissenschaft

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