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Schlafende Frau

Träume ähneln Bildern im Wachzustand

Träume sind oft sehr plastisch und "fühlen sich an" wie die Wirklichkeit. Aus Sicht der Neurowissenschaft ist das kein Wunder. Laut einer neuen Studie ist unser Gehirn in der Traumphase ähnlich aktiv, wie wenn wir im Wachzustand Bilder sehen oder uns diese vorstellen.

Hirnforschung 14.08.2015

Wenn wir schlafen, ruhen wir. Nicht jedoch unser Gehirn. Während wir im Bett liegen, durchläuft es grob eingeteilt drei Schlafphasen: Leichtschlaf, Tiefschlaf und REM-Phase (Rapid Eye Movement). Letztere kennzeichnet sich vor allem durch lebhafte Träume und schnelle links-rechts-Bewegungen unserer Augen.

Die Studie:

“Single-neuron activity and eye movements during human REM sleep and awake vision“ von Yuval Nir und Kollegen ist am 11. August im “Nature Communication” erschienen.

Forscher vermuten, dass jede Augenbewegung auch einem spezifischen Traumbild zugeordnet werden kann. Diese These konnte jedoch bis jetzt nicht bestätigt werden. Hinweise darauf liefert nun eine Studie des Neurowissenschaftlers Yuval Nir von der Universität Tel Aviv und seinen Kollegen. Sie meinen, einen Zusammenhang zwischen Augenbewegungen, Traumbildern und einer bestimmten Hirnaktivität gefunden zu haben.

Elektroden im Gehirn

Die Forscher untersuchten 19 Epilepsiepatienten zwischen 19 und 52 Jahren. Ihnen wurden aus gesundheitlichen Gründen schon im Vorfeld Tiefenelektroden ins Gehirn eingesetzt. Die meisten davon in den Temporallappen, eine Hirnregion, die stark auf Bilder reagiert.

Als die Probanden schliefen, verfolgten die Forscher die Aktivität von jeweils 40 Neuronen und beobachteten, dass ein Impuls im Gehirn kurz auf eine Augenbewegung in der REM-Phase folgt. Sie nehmen an, dass in dieser Zeit das Traumbild gewechselt wird. Träumt man also etwa gerade von einer Wanderung in den Bergen und wechselt dann zu einem Besuch bei Freunden, verändern sich parallel dazu die Hirnaktivitäten und die Augenbewegungen.

Diese Hirnimpulse im Traum sind denen sehr ähnlich, die wir haben, während wir wach sind. Und zwar dann, wenn wir Bilder berühmter Personen oder Plätze sehen. Das entdeckten die Wissenschaftler, als sie den Probanden solche Bilder zeigten. Ihnen zufolge reicht es schon, sich ein solches Bild vorzustellen, um die entsprechenden Hirnareale zu aktivieren.

Claudia Chruszczyk, science.ORF.at

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