Standort: science.ORF.at / Meldung: "Mädchen sind als Kleinkinder selbständiger"

Mädchen mit Zahnlücke

Mädchen sind als Kleinkinder selbständiger

Als Kleinkinder sind Mädchen ihren männlichen Altersgenossen laut einer neuen Studie aus Norwegen weit voraus. Im Alter von zweieinhalb Jahren können demnach nicht nur mehr Mädchen selbstständig essen und sich anziehen. Sie sind auch sozialer als Buben im selben Alter.

Psychologie 17.08.2015

"Wir haben Unterschiede erwartet, waren aber überrascht, dass sie so groß sind", erklärte Aud Toril Meland von der Universität Stavanger, eine der Autorinnen der Studie.

Die Studie:

"Toddlers Master Everyday Activities in Kindergarten: A Gender Perspective" von Sebastian Vetter und Kollegen ist vor Kurzem im "Early Childhood Education Research Journa." erschienen.

Mehr windelfreie Mädchen

Die Wissenschaftlerinnen untersuchten über einen Zeitraum von drei Monaten 535 Buben und 509 Mädchen im Alter zwischen 30 und 33 Monaten. Sie beobachteten, wie sehr die Kinder an Spielen teilnahmen, wie sie sich mit Mahlzeiten und anderen Routinehandlungen taten und ob sie Tätigkeiten wie Essen oder Anziehen auch ohne die Hilfe von Erwachsenen verrichten konnten.

Der größte Unterschied betrifft laut Forscherinnen den Zeitpunkt, ab dem die Kinder keine Windeln mehr benötigen. 21 Prozent der zweieinhalbjährigen Mädchen waren bereits windelfrei und konnten sagen, wenn sie die Toilette benutzen müssen. Bei den Buben waren es nur siebeneinhalb Prozent. Fast zwei Drittel der Mädchen konnten schon allein essen und trinken, wohingegen das nur bei knapp der Hälfte der Buben der Fall war.

93 Prozent Frauen in den Kindergärten

Auch beim Sozialverhalten hatten die Mädchen die Nase vorn: Sie machten häufiger bei Spielen im Kindergarten mit und interagierten mehr mit Gleichaltrigen. "Soziale Fähigkeiten und Alltagsaktivitäten hängen zu einem großen Teil mit dem Sprachverständnis, motorischen Fähigkeiten und Selbstregulierung von Kindern zusammen", erklärte Meland. "Gut ausgeprägte Sprachkenntnisse könnten dazu beitragen, dass Mädchen ihre Bedürfnisse besser zum Ausdruck bringen können."

Allerdings gaben die Forscher zu bedenken, dass rund 93 Prozent der Betreuer in norwegischen Kindergärten weiblich seien. Das könne die Beobachtungen der Mitarbeiter, auf die sich die Studie unter anderem stützt, beeinflusst haben.

science.ORF.at/dpa

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