Standort: science.ORF.at / Meldung: "FWF unterstützt Geldforderung"

Sparschwein mit Geldmünzen

FWF unterstützt Geldforderung

Es sind drastische Worte, mit denen Forscherinnen und Forscher auf Finanzierungsprobleme beim Wissenschaftsfonds FWF aufmerksam machen: Die heimische Forschungsförderung "steht vor dem Kollaps, der Wissenschaftsbetrieb blutet aus", hieß es da. Der FWF selbst unterstützt zwar den Protest, sieht sich aber zu Kürzungen gezwungen.

Aufschrei 24.08.2015

Budgetäre Engpässe

Ö1 Sendungshinweis:

Über die Situation beim FWF berichtete auch "Wissen Aktuell" am 24. August 2015 um 13.55 Uhr.

Rund 200 Millionen Euro kann der Wissenschaftsfonds FWF derzeit jährlich für die Grundlagenforschung in Österreich ausgeben. Doch es werden immer mehr Förderanträge eingereicht. Um die Bewilligungsquote halten zu können, bräuchte der FWF eine Aufstockung des Budgets um acht Prozent pro Jahr.

Doch danach sieht es derzeit nicht aus: Für die Jahre 2016 bis 2018 stehen dem Wissenschaftsfonds insgesamt 552 Mio. Euro zur Verfügung, macht 184 Mio. Euro jährlich. Während der FWF in den vergangenen Jahren sein Budget aus zusätzlichen Quellen wie beispielsweise der Nationalstiftung "auffetten" konnte, wurde ihm laut der interimistischen FWF-Präsidentin Christine Mannhalter signalisiert, dass diese Quellen heuer nicht sprudeln würden.

Dramatischer Aufruf

Vom FWF unterstützte Forscherinnen und Forscher - darunter etwa die Wittgenstein-Preisträgerin des Jahres 2013, Ulrike Diebold - nahmen diese Situation zum Anlass, um an das Wissenschaftsministerium einen dramatischen Aufruf zu adressieren. Unter den derzeitigen Bedingungen könne die Spitzenforschung ihr Potenzial nicht nutzen, der wissenschaftliche Nachwuchs bleibe chancenlos, heißt es in dem Schreiben.

FWF-Interimspräsidentin Christine Mannhalter versteht die Anliegen der Forscherinnen und Forscher und unterstützt namens des Wissenschaftsfonds die Forderung nach mehr Geld. Gleichzeitig fügt sie im Gespräch mit science.ORF.at aber hinzu, "dass ich als Vertreterin des FWF-Präsidiums die finanzielle Verantwortung wahrnehmen und darauf achten muss, dass wir mit dem Budget, das uns zur Verfügung steht, bestmöglich umgehen."

100 Mio. Euro mehr

"Bestmöglich umgehen" bedeutet im konkreten Fall, dass aufgrund der Finanzierungslücke in den nächsten Jahren Doktoratskollegs und Spezialforschungsbereiche beschnitten oder eingestellt werden müssen. Projekte können schon heute - trotz exzellenter Bewertung - nicht bewilligt werden, die Zahl dieser abgelehnten Einreichungen werde steigen, so Christine Mannhalter.

In ihrem Schreiben fordern die Forscherinnen und Forscher deshalb eine Aufstockung des FWF-Budgets um jährlich 100 Mio. Euro. Und auch Christine Mannhalter spricht von 90 bis 100 Mio. Euro zusätzlich, die man brauche würde, um "bestehende Programme weiterführen, exzellente Forschung fördern und Weiterentwicklungen anstoßen zu können".

Sie möchte zwar nicht von einem "Ausbluten" des österreichischen Wissenschaftsbetriebs sprechen, weist aber darauf hin, dass vor allem junge Forscherinnen und Forscher von FWF-Mitteln profitieren würden. Gebe es für sie keine Mittel, würden wohl noch mehr Österreich verlassen und dem Land damit langfristig fehlen.

Ministerium verweist auf Österreich-Fonds

Im Wissenschaftsministerium weist man in einer Stellungnahme darauf hin, dass "es trotz schwieriger budgetärer Rahmenbedingungen gelungen ist, dass Budget beim FWF langfristig zu sichern." Bezüglich zusätzlicher Mittel weist das Ministerium auf den im Zuge der Steuerreform vereinbarten Österreich-Fonds hin.

In diesen Fonds sollen Steuern auf Jahreseinkommen über einer Million Euro fließen. Die Mittel sind zweckgebunden für die Bereiche Bildung und Forschung, und der FWF werde wohl davon profitieren, heißt es - in welcher Höhe ist derzeit allerdings noch nicht bekannt.

Elke Ziegler, science.ORF.at

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