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Pupille und Iris eine menschlichen Auges

Blinder Fleck wird durch Training kleiner

Training macht uns fitter. Das gilt offenbar nicht nur beim Sport, sondern auch für den Sehsinn: Australische Forscher haben nun durch ein spezielles Augentraining die Größe des blinden Flecks verringert.

Medizin 01.09.2015

Wer nicht weiß, wo sich der blinde Fleck befindet, kann das mit Hilfe untenstehender Abbildung herausfinden - Anleitung: Man decke zunächst das linke Auge mit der linken Hand ab und konzentriere den Blick des rechten Auges auf das "x". Dann nähere man sich langsam dem Monitor. Bei passender Distanz verschwindet plötzlich das "o" auf der rechten Seite.

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Das Phänomen lässt sich auf den Aufbau der Netzhaut zurückführen. Dort, wo der blinde Fleck ist, verlässt nämlich der Sehnerv die Netzhaut. An dieser Stelle befinden sich keine Fotorezeptoren, die Lichtreize aufnehmen können, was uns in dieser begrenzten Region komplett blind macht. Bemerkt wird das aber nicht, denn das gegenüberliegende Auge beziehungsweise das Gehirn gleichen diese Leerstelle normalerweise aus.

Die Studie:

"Reducing the size of the human physiological blind spot through training" von Paul Miller und Kollegen ist am 31. August in "Current Biology" erschienen.

Ein Forscherteam rund um Paul A. Miller von der University of Queensland fand nun heraus, dass man durch ein bestimmtes Training die Größe des blinden Flecks verringern kann. Das zeigen Untersuchungen an zehn Personen in einem Zeitraum von 20 Tagen.

Umgebung wird sensibler

Der blinde Fleck an sich kann freilich nicht trainiert werden, da er definitionsgemäß nicht auf Licht reagiert. Den Forschern ist es jedoch gelungen, die Umgebung rund um den blinden Fleck sensibler zu machen - und zwar durch folgende Versuche:

Sie präsentierten ihren Probanden einen Kreis auf einem Bildschirm, der seine Größe so veränderte, dass er sich manchmal im Bereich des blinden Flecks und manchmal im sichtbaren Sehfeld befand. Die Teilnehmer mussten danach bestimmen, in welche Richtung sich Wellen, die sich durch den Kreis schlängeln, bewegen. In einer weiteren Aufgabe mussten sie feststellen, ob der Kreis rot oder grün ist.

Verbesserung bei trainiertem Auge

Laut Miller hatten sich die Probanden nach Ablauf des Versuchs bei beiden Übungen klar verbessert - das jedoch nur beim trainierten Auge. Die Forscher schließen daraus, dass sich der generelle Übungseffekt somit nicht auf das untrainierte Auge überträgt.

"Im Randbereich des blinden Flecks ist die Lichtempfindlichkeit zwar schwächer, aber nicht gleich null. Deswegen erscheint das Blindheitsgefühl größer, als es wirklich ist", erklärt Miller gegenüber science.ORF.at. "Durch das Training werden genau diese angrenzenden Bereiche sensibilisiert, sodass es aussieht, als ob der blinde Fleck schrumpfen würde."

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass bestimmte Übungen auch Menschen helfen könnten, die an bestimmten Sehbehinderungen leiden. Als Beispiel nennen die Forscher die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Eine Krankheit, die vor allem die Netzhaut betrifft. Menschen mit dieser Erkrankung sollen laut den Forschern als nächstes untersucht werden.

Claudia Chruszczyk, science.ORF.at

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