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Haut wird mit Lupe auf Hautkrebs untersucht

Immuntherapie verlängert Leben bei Krebs

Die Immuntherapie gilt weltweit als großes Hoffnungsgebiet bei der Behandlung bestimmter Krebsarten. Und zwar beim bösartigen Hautkrebs - dem Melanom - und bei manchen Lungenkrebsformen. Wie Wiener Mediziner nun berichten, kann die Therapie bei Betroffenen das Überleben um Monate oder gar Jahre verlängern.

Medizin 07.09.2015

"Signifikante Lebensverlängerung"

Diagnose metastasierter Hautkrebs: Vor fünf Jahren hatte man mit dieser Diagnose nur mehr wenige Monate zu leben, sagte Hubert Pehamberger, Leiter der Abteilung für Dermatologie an der Medizinuniversität Wien. Heute ist das anders.

Veranstaltung

Immuntherapie bei Krebs: Informations-Nachmittag am 14. September im Hotel & Palais Strudelhof in Wien. Der Eintritt ist frei. Anmeldung erbeten unter office@leben-mit-krebs.at oder 0664/105 52 37. Weitere Infos sowie detailliertes Programm: www.leben-mit-krebs.at.

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Ö1 Sendungshinweis

Über das Thema berichteten auch die Ö1 Journale, 7.9., 12:00 Uhr.

"Im August 2010 gab es im 'New England Journal of Medicine' zwei Publikationen: Die eine betraf einen Antikörper, die zweite einen Kinaseinhibitor. Diese beiden Substanzen haben eine Revolution in der Therapie des fortgeschrittenen Melanoms gebracht", sagte Pehamberger gegenüber Ö1.

"Seit dieser Zeit ist beim Melanom so viel passiert, wie in den letzten 30 Jahren davor nicht. Heute können wir Patienten, die mit dieser Erkrankung im fortgeschrittenen Stadium zu uns kommen, wirklich etwas anbieten. Zwar noch nicht die Heilung - davon können wir noch nicht sprechen, weil da fehlen die Langzeitdaten - aber eine signifikante Lebensverlängerung."

Daher könne man zu recht von einer medizinischen Revolution sprechen, sagt Pehamberger. Das Konzept der neuen Therapien ist eigentlich erstaunlich simpel. Und zwar: Wächst ein Tumor, dann blockiert er dort, wo er wächst, das Immunsystem. Die neuen Substanzen verhindern diese Blockade, und damit kann das menschliche Immunsystem den Krebs selbst bekämpfen.

Weitere Anwendungen wahrscheinlich

Ein cleveres Konzept, sagte der Krebsspezialist Christoph Zielinski von der Medizinuniversität Wien - das derzeit nur beim Melanom und als Zweittherapie bei Lungenkrebs erfolgreich eingesetzt wird. "Das bedeutet aber nicht, dass es keine anderen Indikationen gibt, sondern das ist, was wir derzeit als Ergebnis klinischer Studien wissen. Es wird mit großer Wahrscheinlichkeit eine Vielzahl anderer Indikationen geben, die wir aber derzeit nur annehmen, aber nicht in beweisen oder gar registrieren können durch die entsprechenden Behörden."

Und so würden derzeit rund 6.000 neue Substanzen entwickelt und auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit getestet. "Wir wissen, dass das erst der Beginn einer langen Reise ist, weil verschiedene Immuntherapeutika kombiniert werden und zum Einsatz gelangen können. Ich glaube, dass das eine völlig neue Ära ist, die hier eingeläutet wird", so Zielinski.

Gudrun Stindl, Ö1 Wissenschaft

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