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Spitzbergen: schneebedeckte Berge und ein Eisbären-Warnschild

Outdoor-Kleidung belastet die Umwelt

Malerische Bergseen und schneebedeckte Gipfel - mit solchen Bildern werben viele Hersteller von Outdoor-Bekleidung. Doch die Chemikalien, die für die wetterfesten Kleidungsstücke verwendet werden, verschmutzen genau diese unberührten Landschaften. Zu diesem Schluss kommt Greenpeace in einer aktuellen Studie.

Rückstände 08.09.2015

Was haben Weltraumanzüge, beschichtete Pfannen und wetterfeste Jacken gemeinsam? Oft werden bei der Produktion sogenannte Per- und Polyfluorverbindungen, kurz PFCs, eingesetzt. Diese chemischen Stoffe - wie zum Beispiel das Perfluoroctansulfonat - sind wasser-, schmutz und fettabweisend und, was sie für die Industrie besonders attraktiv macht, sie sind leicht zu verarbeiten.

Extrem langlebige Chemikalien

Doch diese Wundermittel haben auch eine negative Seite: In hoher Dosis sind PFCs für Menschen und Tiere toxisch und stehen im Verdacht, Krebs zu verursachen. Hinzu kommt: PFCs sind extrem langlebig. Ihre Halbwertzeit in der erdnahen Atmosphäre beträgt bis zu 2.000 Jahre.

Der menschliche Körper baut diese Verbindungen ebenfalls nur sehr langsam ab. Sind Menschen PFCs längerfristig ausgesetzt, reichert sich der Stoff im Organismus an. Wenig überraschend, denn PFCs kommen natürlicherweise nicht in der Umwelt vor.

Ö1 Sendungshinweis:

Über das Thema berichteten auch die Ö1 Journale, 7.9., 7:00 Uhr.

Alle Proben positiv

Die PFCs stehen schon länger im Verdacht, sich in der Atmosphäre auszubreiten (durch Ausgasung, gebunden in Staubpartikeln, von Regen und Schnee ausgewaschen). Die Umweltorganisation Greenpeace ist dieser Annahme in einer aktuellen Studie nachgegangen. Im Rahmen von acht Expeditionen auf drei Kontinenten wurden Schnee- und Wasserproben auf PFC-Rückstände getestet.

Die Proben aus allen zehn Ländern waren positiv, sagt Nunu Kaller, Sprecherin von Greenpeace Österreich: "Auch wenn wir teilweise nur Spuren gefunden haben, wir haben den Nachweis: PFCs sind überall." Die Proben, die Greenpeace-Mitarbeiter im Mai und Juni dieses Jahres genommen haben, wurden nicht nur von der Umweltorganisation selbst, sondern auch von externen Labors getestet.

Von Tibet bis Italien

Vom Tibetischen Hochland in China bis zum Torres-del-Paine-Nationalpark im chilenischen Patagonien - die langlebigen Chemikalien wurden an allen Testorten nachgewiesen. Die höchsten Werte fanden die Greenpeace-Forscher in direkter Nachbarschaft zu Österreich: in der Hohen Tatra in der Slowakei, im Nationalpark Monti Sibillini auf dem italienischen Apennin und bei den Macun-Seen, einem Schweizer Naturschutzgebiet im Unterengadin. "Das bietet Anlass für den Verdacht, dass in Österreich auch eine starke Belastung herrscht", sagt Nunu Kaller.

Die Verbreitung der PFC-Verbindungen wird einerseits durch die Produktion der imprägnierten Bekleidung verursacht, andererseits aber auch durch das Tragen der Kleidungsstücke selbst, etwa durch Abrieb, heißt es dazu in der Studie. "Das heißt, der Konsument ist unbewusst ein Mittragender dieser Verschmutzung", betont die Greenpeace-Konsumentensprecherin Kaller.

Appell an Konsumenten und Produzenten

In Summe führe das zu einer nachweisbaren Ablagerung der PFCs in der Umwelt. Der Appell von Greenpeace richtet sich daher an Konsumenten und Produzenten von PFC-haltiger Bekleidung, bewusst auf das langlebige Imprägniermittel zu verzichten. Umweltfreundlichere Alternativen gäbe es bereits. Marken wie Paramo, Pyua, Rotauf, Fjallräven und R'adys würden ihre wasserfesten Kleidungsstücke gänzlich ohne PFCs produzieren.

Von der Politik fordert Greenpeace höchstzulässige Grenzmengen einzuführen. Denn der Großteil der PFC-Verbindungen ist extrem langlebig. Selbst wenn der Einsatz der Chemikalien heute gestoppt würde, wären die Stoffe noch Hunderte Jahre in der Umwelt nachweisbar, heißt es dazu in der Studie.

Marlene Nowotny, Ö1-Wissenschaft

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